[Leben] Wenn das geliebte Haustier gestorben ist – wie sag ich es meinem Kind?

Friedlich schlief Mogli, unser Kater, in meinem Arm ein und ich hielt ihn noch eine Weile, bis ich mir sicher war, dass er wirklich nicht mehr merken würde, wenn ich ihn alleine lasse. Unser Kater musste gehen, der Zeitpunkt war viel zu früh und viel zu plötzlich gekommen.

Wie sage ich meinem Kind, dass das Haustier gestorben ist?

Als ich wusste, dass unser Haustier eingeschläfert werden muss, habe ich im Internet ein Bisschen recherchiert und mir aus unterschiedlichen Texten Informationen herausgefiltert.
Hier habe ich die Punkte aufgelistet, die ich wichtig finde und worauf ich versucht habe zu achten:

  • in gewohnter Umgebung vom Tod des Haustieres erzählen
  • eigene Emotionen nicht unterdrücken, die Kinder dürfen sehen, dass man selbst auch traurig ist
  • Freiraum lassen, da sein und wenn gewünscht darüber reden
  • nicht zu viele Informationen geben und Ausschmückungen vermeiden.
  • einen Ort einrichten, an dem man bewusst an das Tier denken kann

Und wie war es bei uns?

Eine Woche lang war mir schlecht, stets kam der Gedanke auf, sollte es soweit sein, wie sagen wir es den Mädchen? Denn als unser Kater erkrankte, hatte ich dieses Bauchgefühl. Natürlich haben die Kinder mitbekommen, dass es ihm einfach wirklich nicht gut geht und wir haben auch mit ihnen darüber gesprochen. Wir sprachen nicht davon, dass es sein kann, das er stirbt, wir wollten sie nicht unnötig beunruhigen, sollte es doch anders kommen. Sie spürten, dass es nicht nur ein “Schnupfen” ist, mit dem Mogli kämpfen muss. Besonders unser großes Mädchen verabschiedete sich die letzten zwei Tage morgens sehr intensiv von ihm.

Wichtig war es für mich, dass unsere Töchter nach der Schule und nach dem Kindergarten erst einmal gut zu Hause ankommen. Unsere Große suchte allerdings recht schnell unseren Kater, weil sie schauen wollte, wie es ihm geht. Ich setzte mich mit ihnen zusammen hin und erklärte ihnen, dass er so krank war, dass er gestorben ist. Bewusst habe ich nicht von einschlafen gesprochen, damit keine falschen Hoffnungen geweckt werden oder gar Ängste geschürt werden, sie würden selbst nicht mehr aufwachen, wenn sie abends ins Bett gehen.

Das Thema Tod haben wir erst vor ein paar Wochen aus anderen Gründen thematisiert, so dass beide Mädels wussten, wovon ich spreche. Die Reaktionen waren vollkommen unterschiedlich. Während die Große (6,5 Jahre) direkt Tränen in den Augen hatte und schluchzte, merkte man sehr, wie es bei unserer Kleinen (4 Jahre) ratterte. Dann schmiedete sie Pläne und wollte gerne, dass wir rausgehen und spielen. Sie war recht rastlos und kam von Idee auf Idee, was sie gerne spielen wollte. Sie dachte weiter nach. In der Zwischenzeit malte meine Große ein Bild von Mogli, mit Luftballons die in den Himmel fliegen.

Fast eine Stunde war vorbei und die Kleine bekam einen absoluten “Wutanfall”. Irgendwann schlug das wütende Schreien um. Sie weinte bitterlich und fragte, ob Mogli wirklich nie wieder bei uns sein würde. Nach meiner Antwort brachen alle Dämme und auch sie hat verstanden, was passiert ist und kuschelte sich fest an mich.

Unterschiedliche Reaktionen sind vollkommen normal

Für Kinder ist das Thema Tod sehr abstrakt. Und jeder nimmt so eine Nachricht anders auf. Wir Erwachsenen sind natürlich auch traurig, wir begreifen es aber anders, als es Kinder tun. Ich habe versucht ihnen den Raum zu bieten, den sie ggf. benötigen. Ich war die ganze Zeit bei ihnen und nahm sie in den Arm, wenn sie das wollten. Es gibt nicht das klassische Schema F, wie Kinder reagieren können oder sollen. Alleine hier bei uns, gab es bei unseren Töchtern zwei unterschiedliche Arten, damit umzugehen. Während unsere große Tochter es direkt versucht über das Malen zu verarbeiten, redete die Kleine sehr sehr viel von unserem Kater, als sie es begriffen hat und betonte immerzu, dass er wirklich nicht mehr wiederkommt.

Ich habe nicht benannt, wo er nun ist, da ich hoffte, sie würden für sich eine Lösung finden. Schnell war für Beide klar, dass er sich wohl die allerschönste Wolke ausgesucht hat und nun so auf uns aufpasst. Laut der Kleinen ist er nun der Coolste von uns allen. Warum? Wenn man tot ist, wird man unsichtbar, sagt sie. Und das findet sie mächtig beeindruckend. Eine Superkraft ist das ihrer Meinung nach. Unsere Große wünschte sich dennoch direkt einen Platz, der nur für unseren Kater ist. Sie wünscht sich eine Pflanze für den Balkon, das soll sein Ort sein.

Vielleicht hilft euch dieser Beitrag, wenn ihr einmal in diese Situation kommen solltet weiter.

Alles Liebe,
Tanja

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3 comments

    Du hast wunderschön geschrieben Tanja. Ich sitze hier und bin froh, dass ich heute alleine im Büro bin. Mir stehen auch die Tränen in den Augen. Ich wünsche euch, dass ihr auch weiterhin gemeinsam trauert und die Kinder, dein Mann und du es gut verarbeiten könnt. Ich umarme euch

    Liebe Tanja,

    es tut mir unfassbar leid, mir stehen die Tränen in den Augen.
    Kann mich noch sehr gut erinnern als ihr ihn als Babykater bekommen habt. Und später kam noch Cleo (hoffe das ist richtig?…) hinzu.

    Schöne Vorstellung mit der Wolke. Mein Beileid!

    Alles Gute für euch!

    Liebe Grüße

    Ach Süße. Du weißt ja, es tut mir so sehr leid, dass ihr nun auch dass miterleben musstet, was wir letztes Jahr durchgemacht haben. Es ist so unfassbar traurig. Ich finde es toll, wie du damit umgegangen bist! Meine Große sagte erst “Dann ist sie jetzt im Himmel bei Gott und das ist toll”. Später sagte sie dann tatsächlich, dass sie auch sterben will, um bei Lucy zu sein. Es ist hart. Aber es geht vorbei. Ich wünsch euch alles Gute! :-*

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