[Leben] Wenn die Wut so groß ist – von Tränen und Verzweiflung nicht nur beim Kind

Lange habe ich überlegt, ob ich darüber in der Form schreiben soll. Nicht weil ich der Meinung bin, hier muss es nur um den puren Sonnenschein gehen, ganz und gar nicht. Aber den letzten Tritt bekam ich durch Saskia und ihren Bericht. Denn ich finde, dass es durchaus Mut macht und helfen kann, wenn man auch von anderen Familien weiß, wenn es einfach mal nicht läuft.

Wut, Tränen und Verzweiflung

Die letzten drei Monate sind stark geprägt von Unruhe, vielen Tränen und Wutzwergen im Bauch. Unser kleines Mädchen macht aktuell scheinbar einen so großen Entwicklungsschritt durch, dass sie oft gar nicht weiß, wohin mit ihren Gefühlen. Die Situationen sind manchmal ganz typisch, so wie man sie als Stresssituation in jedem Ratgeber finden würde, manchmal aber auch absolut aus der Luft gegriffen (für uns). Es trat auf, bei Dingen die sie sich wünschte, die sie bisher sehr mochte. Es scheint alles im Wandel zu sein. So als ob ein Schalter umgelegt wird und das Kind nicht mehr weiß, wo oben und unten ist. Der Blick spiegelt genau das wieder – sie scheint orientierungslos zu sein und schreit Ohren betäubend, besonders bei mir.

Sie möchte hoch hinaus, aber manchmal klappt es nicht. Dann kommt die Wut.

Was man bei einem Wutanfall beachten sollte?

  • ruhig bleiben
  • die Gefühle spiegeln
  • Verständnis äußern und auf keinen Fall die Situation kleinreden
  • Nähe anbieten

In der Praxis sieht es anders aus. Ich wende die oben genannten Punkte an und dringe nicht durch, zu keinem Zeitpunkt. Sie schreit weiter und ich fühle mich so hilflos. Sie möchte Nähe, aber nicht zu nah. Immer wieder sagt sie den gleichen Satz, schreiend, kaum verständlich: “Ich will dir etwas sagen”. “Dann sag es mir, ich höre dir zu.”, sage ich ihr und versuche weiterhin ruhig zu bleiben. Atme und zähle bis ins Unendliche nur für mich, damit ich ruhig bleibe. Aber ehrlich gesagt fühle ich mich ohnmächtig, meine Ohren tun weh und mindestens ein anderes Kind möchte etwas von mir, da das Schreien für alle Anwesenden schlimm zu sein scheint. Es ist verhext und ich habe so manchen Tag gehabt, wo ich morgens schon Angst hatte, bei einem falschen Wort, wird der Schalter betätigt. So oft saß ich in den letzten drei Monaten abends vollkommen verzweifelt auf dem Sofa und fühlte mich wie die schlechteste Mutter, die es nur geben kann. Ich hab mich so oft gefragt, was kann ich anders machen, was kann ich tun, damit ihre Wut einen Raum bekommt, aber einfach nicht so ein Ausmaß annimmt. Denn ich möchte ihre Gefühle nicht unterdrücken. Aber so ist es für alle Beteiligten wirklich schlimm. Eine Antwort habe ich noch immer nicht gefunden. Wir sind sowieso keine Familie, die ein straffes Freizeitprogramm hat, aber ich habe dennoch alles auf ein Minimum runtergefahren, weil ich keine Kraft hatte, dass sie woanders, so wütend wird, schließlich war es mit einem “ich schmeiß mich auf den Boden und dann ist es wieder gut” nicht getan.

“Nach einem Wutanfall in diesem Ausmaß fühle ich mich,
wie nach einem Marathon.”

Manchmal dauert es fünf Minuten, ein anderes Mal 50 Minuten. Danach spielt mein Kind weiter, einfach so und ich habe das Gefühl, ich wäre einen Marathon gelaufen. Gestern gab es wieder so einen Wutanfall und wieder sagte sie immerzu den gleichen Satz. Aber dieses Mal war es anders. Sie sagte nicht nur “ich will dir etwas sagen”, sondern sie sagte mir tatsächlich etwas: “Ich will Mama. Ganz viel Mama.” Endlich konnte sie sagen, was sie braucht, was sie wirklich möchte. Also haben wir gekuschelt und ich habe sie einfach nur gehalten.

Das war für uns Beide auf einen bestimmte Art und Weise sehr versöhnlich. Denn sie ist schon immer sehr stark auf Papa fixiert gewesen, Streitereien trägt sie aber bevorzugt mit mir aus. Spielen, kuscheln und Co sind mit ihr sehr rar, weil sie das stets von Papa einfordert und bei mir verneint (auch schon vor dem kleinen Löwen). Einzelausflüge, Exklusivzeit nur mit mir wollte sie nie, lediglich mit Papa. Aber nun haben wir uns verabredet, nur wir Zwei. Und ich hoffe sehr, dass uns das für kommende Wutzwerge helfen wird.

Ich glaube nicht, dass es das nun war, ein Geheimrezept habe ich nun auch nicht für euch. Aber vielleicht fühlt ihr euch verstanden. Außerdem ist das eine gleichzeitige Erklärung, warum es hier auf dem Blog aktuell ruhiger ist, als noch vor einiger Zeit.

Ich freue mich auf eure Kommentare dazu, denn vielleicht geht es euch ähnlich?

Alles Liebe,
Tanja

 

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3 comments

    Liebe Tanja,
    deine Beschreibung erinnert mich so sehr an die Erfahrung mit meiner eigenen Mutter. Wir haben überhaupt kein auffälliges oder schwieriges Verhältnis, sind einfach nur Mutter und Tochter, aber dieses Gefühl von Nichts-sagen-können, keine Worte zu finden und einfach nur ganz viel Aufmerksamkeit, Trost und körperliche Nähe zu brauchen, kenne ich so gut aus Phasen, in denen ich es schwer mit mir selbst hatte. Und es ist schön, dass deine Maus solchen Trost bekommt.

    Ich frage mich bei Deiner Beschreibung: Was machst Du denn wenn Du wütend bist? Hat Deine Tochter ein Vorbild im wütend sein? Ich habe ehrlich gesagt keine tollen Wut-Abbau Techniken und bin gerade auf der Suche. Bei Kinden soll es wohl am besten in Verbindung mit Bewegung klappen…

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