[Leben] Das Kind muss nicht! Meine Antwort an die Huffingtonpost.

Zack, da tauchte vor einer Weile in meiner Timeline bei Facebook so ein Artikel auf. Von einem kinderlosen Menschen “geliked”, der im Bereich der Pädagogik tätig ist. Ein Artikel aus der Huffingtonpost öffnet sich, geschrieben von einer Frau, die als Expertin für Entwicklung und Verhalten von Kindern bezeichnet wird.
Der Artikel an sich lies meinen Puls schon in die Höhe schnellen. Das Ende des Artikels setzt aber noch einen drauf. Um euren Puls ebenfalls zu steigern, zeige ich euch das Ende deswegen mal als Erstes.
Erwarten Sie mehr. Teilen Sie Ihre Probleme. Geben Sie weniger nach. Lassen Sie uns diese Kinder zusammen richtig erziehen und sie auf den Erfolg in der echten Welt vorbereiten. Nicht in der geschützten Umgebung, die wir für sie geschaffen haben.Ich kann das wirklich nicht glauben, was da steht. Aber dazu komme ich gleich noch mal.

Das Kind muss nicht!

Kinder müssen geduldig sein, Kinder müssen wissen, dass das Essen nicht mal eben so flott zubereitet ist. Jetzt mal ehrlich. Klar würde ich mir manchmal wünschen, ich könnte zaubern, damit das Essen in Nullkommanix auf dem Tisch steht, damit ja niemand fragt: wie lange noch? Aber habt ihr mal hungrig auf euer Essen gewartet? Natürlich liegt ihr nicht nölend auf dem Boden. Kleinkinder haben noch kein Zeitempfinden. Zumindest nicht so, wie wir gerne hätten, dass sie es haben. Ihr wisst sicherlich was ich meine. Wenn mich mein Kind fragt, wann denn nun endlich das Essen fertig ist, gestern war zum Beispiel genau diese Situation. Dann sage ich ihm, dass es noch 7 Minuten dauert, um direkt bei gestern zu bleiben. So lange mussten nämlich noch die Nudeln kochen. 3 Minuten später fragte es mich wieder, wann es denn Essen geben würde. Und ich hörte am Zittern der Stimme, dass da einfach ein Bärenhunger vorliegt. Dann liegt es doch aber an mir als Elternteil zu versuchen, die Wartezeit für das Kind irgendwie angenehmer zu gestalten und nicht bloße Geduld zu erwarten. Ein Kleinkind ist und bleibt ein Kleinkind. Und ein Hungriges noch dazu. Ich weiß nicht von welchem Alter die Autorin ausgeht, aber so allgemein wie sie schreibt, gehe ich von einer großen Altersspanne aus. Also habe ich meine Tochter gebeten den Tisch zu decken. So verging für sie die Zeit und mit dem gedeckten Tisch, waren auch die Nudeln fertig. Wenn sie aber schon so schlimmen Hunger hat, dass alles nur noch Geweine und schlechte Laune zur Folge hat, dann ärgere ich mich schlichtweg meistens selber über das Timing. Denn meine Kinder haben fast immer zur gleichen Zeit Hunger. So dass es täglich eigentlich keine Überraschung darstellen sollte. In einem Punkt gebe ich ihr Recht: Geduld sollte man üben. Aber nicht an hungrigen Kindern. 😉

Der Bechertest

Folgende Situation kennt ihr sicherlich, oder? Euer Kind bekommt einen farbigen Becher zu trinken und möchte aber lieber eine andere Farbe, obwohl ihr bereits eingegossen habt. Da ist im Artikel die Rede von diesem sogenannten Bechertest. Dieser sagt aus, ob ihr Angst vor eurem Kind habt und es euch im Griff hat. Ihr blass werdet, wenn es schon beginnt zu sagen, dass es aber lieber eine andere Farbe haben möchte. Und soll ich euch was sagen? Das ist doch Quatsch.

Wie oft mache ich den Mädchen morgens Kakao und bekomme anschließend zu hören: Aber ich wollte doch den blauen, roten, lila, gelbgetupften Becher haben. Dann ist meine Antwort immer gleich: “dann merke dir für morgen, welchen Becher du heute lieber gehabt hättest und ich werde mit daran denken.” Und jetzt? Ihr dürft euch freuen, ich habe also keine Angst vor meinen Kindern. Aber mal ehrlich. Es täte mir nicht weh, die Becher einfach immer wieder umzutauschen, bis alle glücklich sind. Aber wisst ihr was? Ich habe gerade morgens schlichtweg keine Lust dazu (ich sollte dazu sagen, dass wir keine Langschläferkinder haben, sondern wir hier im Schnitt von 6 Uhr morgens sprechen.) Soviel zum Thema, Eltern denken zu wenig an sich. Nö, tu ich nicht. Ich denke auch an mich. Und daran, dass ich morgens als erste Mission einen Kaffee haben möchte. Während ich ihn mache, wird die Milch der Mädchen erwärmt. Es sind einstudierte Handgriffe, die ich morgens nicht bereit bin über Board zu werfen, indem ich Becher jongliere, obwohl ich die Farben gewählt habe, die in 99,9% sonst immer gewählt werden.

Jonglieren mache ich nämlich im Laufe des Tages noch oft genug. Nicht Becher, aber Argumente. Jawohl. Das Zauberwort heißt Kompromiss. Denn trotz aller Regeln und so manchen Neins, ist es doch genauso wichtig auch mal nachzugeben. Besonders dann, wenn es für einen nun nicht schlimm ist und nicht 50 andere Neins mit einem Mal außer Kraft setzen würde.  Ist es nicht viel mehr so, dass man sich den Stress selber macht, indem man versucht an total verrückten Punkten furchtbar autoritär zu sein? Wie mit allem im Leben, sollte man das gesunde Mittelmaß finden. Das ist zugegebenermaßen nicht immer so einfach, aber durchaus machbar. Und ein Kind, welches nicht nur siegessicher in eine Diskussion einsteigt eine Diskussion anfängt, sondern auch mal als Sieger hervorgeht, ist doch nichts Schlimmes. Ganz im Gegenteil.

Kindererziehung verläuft nicht nur in der eigenen Komfortzone. Ganz und gar nicht. Wie oft sitze ich abends auf dem Sofa und denke mir: Ach shit. Das ist heute aber ganz schön aus dem Ruder gelaufen. Und zwar nicht, weil ich es so gern mag, mein Kind bockig zu sehen. Sondern weil eins zum Anderen führte und die Konflikte förmlich magnetisch angezogen wurden. Wo man denkt, ein ganzer Tag besteht aus Neins. Doch auch die gehören dazu. Und dann findet es immer noch ein einer beschützten Umgebung statt. Denn ich beschütze meine Kinder nicht weniger, nur weil ich Ihnen nicht nach dem Mund rede. Ich beschütze sie, indem ich versuche sie zu leiten, Ihnen dabei zu helfen Entscheidungen akzeptieren zu lernen, aber auch selber welche zu treffen. Genauso wie die Tage, an denen mein Kind beschützt in seiner Umgebung auch vielleicht doch mal einen anderen Becher bekommt, nur eben nicht früh morgens.

Alle Punkte werde ich hier nicht aufführen, aber einer liegt mir noch am Herzen.

Babys müssen lernen sich selbst zu beruhigen. Müssen? Der ganze Artikel ist durchzogen von einem einzigen Muss. Ist Familie nicht ein Synonym für Geborgenheit? Liebe? Empathie und Verständnis? Wie kann ich denn dann von meinem Baby erwarten, welches ich viele viele Monate unter meinem Herzen trug, dass es in der Lage sein muss sich selbst zu beruhigen? Ich rede nicht davon beim ersten Geräusch sofort zu agieren. Babys machen ja auch ganz gern mal Geräusche im Schlaf. Der Autorin dürfte nicht bekannt sein, was im Kopf eines kleinen Wesens vor sich geht, wenn man es schreien lässt. Adrenalin und Cortisol werden vermehrt ausgeschüttet und können in großen Mengen toxisch wirken.  Erst beruhigende Maßnahmen unsererseits helfen bei der Ausschüttung von Oxytocin, was wiederum beim Abbau der zuvor ausgeschütteten Stresshormone hilft. Steigert man durch Nichtberuhigen immer weiter den Cortisolspiegel, kann sich dies dauerhaft schädlich auf die Angstregulation auswirken. Das Einzige was es lernt ist: ich kann tun was ich möchte. Es kommt niemand. Adieu Urvertrauen. Aber wenn man sein Kind auf den Erfolg in der echten Welt vorbereiten möchte, ist es wahrscheinlich auch besser, man vertraut nicht allzu viel.

Alles Liebe,
Tanja

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7 comments

    Bin ja eher stille mitleserin auf dem Blog, sowieso auf Instagram. Aber hier muss ich kommentieren weil ich dir in allen Punkten zustimme. Ich habe selber noch keine Kinder, studiere aber kinderpädagogik und arbeite regelmäßig und sehr gerne in kitas. bin etwas schockiert über den Artikel… Hier wird in allen Punkten die du aufgezählt hast der Widersprochen.. Denke dass der Autor des Artikels keine Ahnung hat.

    Habe ebenfalls vor ein paar Tagen diesen Artikel gelesene u d war fassungslos. Vor allem über die Aussage : ein Baby muss lernen sich selbst zu beruhigen.
    Auf was für Erfahrungsberichte kann denn ein Baby zurückgreifen außer diese irgendwann furchtbar einsetzende erlernte Hilflosigkeit. Hätte kotzen können!
    Lieben Gruß Sabrina

    Liebe Tanja,

    es freut mich zu sehen, dass nicht nur ich diesen Artikel befremdlich fand, vor allem weil die pädagogischen Artikel aus der Huffington Post sonst einen völlig anderen Tenor haben. Darum habe ich auch darüber nachgedacht und fühlte mich zu einem winzigen Teil trotzdem ertappt. Ertappt in dem Sinne, dass ich nämlich manchmal tatsächlich noch springe als wäre das Lieblingskind noch ein Baby und damit meine eigenen Grenzen übergehe. Ich glaube aber, dass in dem Artikel nicht von Babys die Rede war, die eben nicht warten können und für die es genau richtig ist, sofort zu springen. Mein Sohn wird jedoch bald 5 und darum kann ich von ihm mehr erwarten als von einem Baby. Die Beispiele fand ich jedoch auch seltendämlich. Schließlich breche ich mir keinen Zacken aus der Krone, wenn ich den Becher umtausche oder das Kind kann ihn selbst umtauschen. Nur darauf zu bestehen diesen Becher zu benutzen, weil er schon da steht, wäre wohl ein ziemlich beknackter Machtkampf und stresst uns alle. Dinge, die ich nicht so einfach ändern kann, muss er auch schon mal hinnehmen und auch wenn er dann sauer oder frustriert ist, stresst das zwar, aber ich habe keine Angst vor ihm oder vor der Auseinandersetzung.
    In diesem Sinne, Danke, dass du auf den Artikel reagiert hast und er nicht so stehen bleibt.

    Liebe Grüße
    Sabrina

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