[Leben] “Jedes Kind kann schlafen lernen”

Jeder Mutter wird dieser Buchtitel etwas sagen. Hab ich Recht?

Ich bin kein Befürworter dieses Schlafprogramms. Wie oft habe ich mir anhören müssen, dass ich sie “doch einfach mal weinen lassen soll, sie wird schon schlafen.” “Wenn du sofort springst, dann wundere dich nicht, dass sie das Spielchen mit dir spielt.”

Jedes Kind kann schlafen lernen

Wie war der Schlaf am Anfang?

Aber das tat ich nie. Es war manchmal oft schwierig mit der Großen und mir, was das Thema Schlaf angeht, das zweifelt wohl niemand an. Von den ersten sechs Monaten spreche ich nicht. Da schlief sie sowieso nur an oder auf mir. Aber die Zeit danach. Für viele Menschen kommt ja so ein magischer Schnitt. Bis 1 ist es gerade noch so in Ordnung das Kind zu “verwöhnen”, wenn es um die Schlafgewohnheiten geht. Ab 1 gibt es dann diesen Knopf, den man betätigen muss, damit das Kind urplötzlich alleine ein- und im besten Falle durchschlafen kann. Wie? Ihr habt diesen Knopf auch nicht gefunden? Komisch, vielleicht gibt es ihn ja gar nicht. Vielleicht heißt das Zauberwort Zeit.

Jedes Kind kann schlafen lernen

Es war für mich schwierig zu akzeptieren, dass sehr viel Zeit darin investiert wird, dass meine Tochter einschlafen kann und nicht binnen von Sekunden sofort wieder wach wird. Aber als ich die Situation angenommen habe, so wie sie ist, da sah ich das Problem gar nicht mehr. Sie brauchte mich, also war ich da. Ich schlafe bis heute schlecht ein, wie soll also bitte ein kleines Kind wissen, wie das funktioniert, wenn ich das selbst nicht weiß? Ich gab ihr Zeit und sah die Vorzüge, die mir diese Einschlafsituation brachte: Nähe. Kuscheln. Das war tagsüber mit meinem quirligen, nie rasteten Mädchen schier unmöglich. Also war das unsere Zeit. Meine Zeit, um meine Gedanken zu sortieren, ihre Zeit, um runterzukommen. Sie schlief sowieso mit bei uns im Bett. Wenn ich sicher war, dass sie wirklich schlief, dann schlich ich mich meistens noch mal raus und genoss noch den Abend mit meinem Mann. Das Babyphone hätte alarmiert, wenn sie doch wieder erwacht wäre. Meistens hatte ich dann ca 1,5h-2h Zeit noch für mich, bis der erste Alarm losging.

Mein Mann konnte die Situation ebenso annehmen wie ich, einzig hatte er daran zu knabbern, dass sie ihn so gar nicht akzeptieren wollte, wenn es um das Thema schlafen ging. Und meine Nerven waren dank Schlafmangel zu dünn, es immer wieder aufs Neue zu testen, dass er zu ihr geht, wenn sie weint. Denn dann hat sie sich so in Rage geschrien, dass das Einschlafen von Neuem beginnen musste und aber immer schwieriger wurde, da sie ja bereits geschlafen hatte. Ein Teufelskreis. Manch einer von euch wird den Kopf schütteln und sich sagen: Selber Schuld, dann gehst du eben mal weg und dein Mann macht das.
Diesen Gedanken hatte ich, mein Mann hätte sofort mitgemacht. Aber eine Konstanz war bei uns nicht möglich, da er nicht jeden Abend zu Hause war, bedingt durch die Arbeit. Und diesen Kampf für zwei Tage durchzuhalten, um dann wieder zwei Wochen Pause zu haben, das fand ich nicht richtig. Ich war immer der Meinung, dass sie Zeit braucht und bin mit der Einstellung daran gegangen, dass sie wohl kaum mit 15 noch in unserem Bett schlafen wird und meine Hand braucht, damit sie in den Schlaf findet.

Als die Kleine geboren wurde, schlief sie auf Grund des Stillens auch mit bei uns im Bett, genauer gesagt im Beistellbett. Aber irgendwie gefiel es ihr nicht. Das sie einfach Ruhe braucht, alleine für sich sein will, auf die Idee bin ich überhaupt nicht gekommen. Das war ein Gedanke, den ich selber nicht glauben konnte. Also legte ich sie ins Kinderzimmer in das Gitterbett, welches damals für die Große angeschafft wurde und nie benutzt wurde. Sie schlief durch. Ohne weinen. Sie schlief. Ich kann euch nicht sagen, wie oft ich gucken war, ob wirklich alles gut ist. So etwas kannte ich nicht, war ich im ersten Jahr bei meiner Erstgeborenen doch stündlich bis zweistündlich wach.
Meine Große wollte nun auch im Kinderzimmer schlafen. Sie wäre ja nicht alleine, ihre Schwester sei ja da. Wir probierten es. Und tatsächlich. Es funktionierte. Auch wenn ich die Situation nach wie vor verrückt finde, dass ich ein kleines Baby ins Bett lege, ihm einen Kuss gebe, den Kopf streichle und es einfach so irgendwann einschläft. Dann legte ich mich zur Großen mit in ihr Bett und hielt ihre Hand, bis sie schlief. Das dauert seitdem sie keinen Mittagsschlaf mehr macht (seitdem sie zwei Jahre alt ist) ca. 10 Minuten. Da kann ich durchaus mit leben. Aber das brauchte sie und tolerierte seit dem Zimmerwechsel auch meinen Mann.

Es zieht sich bisher ein roter Faden durch das bisher noch so junge Leben meiner Großen. Sie macht erst Dinge alleine, wenn sie sich sicher ist, dass sie es kann und an sich glaubt, dass sie es schafft!
Sie robbte nie zaghaft los, krabbelte wackelig oder lief an der Hand los. Irgendwann robbte sie einfach, so, als ob es noch nie anders gewesen wäre. Beim Krabbeln war es ganz genauso und irgendwann stand sie auf und lief vor ihrem ersten Geburtstag los, quer durch unser Wohnzimmer. Sie hatte den Glauben daran, dass sie es schafft und genauso war es.

Nun ist sie vier Jahre alt und gestern sagte sie abends zu mir: Mama? Ich möchte heute gerne in meinem Bett einschlafen. Alleine. Ich schaffe das, ich bin jetzt groß.
Was soll ich sagen? Der rote Faden setzt sich fort. Gegen vier Uhr heute Nacht kam sie zu uns und wir schliefen bis sieben Uhr weiter. Als sie mich weckte, funkelten ihre Augen und sie sagte voller Stolz: Das hab ich gut gemacht, oder?

Zwei Jahre schlief sie also bei uns im Schlafzimmer, zwei weitere Jahre lag ich zum Einschlafen noch neben ihr im Kinderzimmer, wo sie ca nach der Hälfte der Nacht zu uns zurückkam. Na und? Anhand der Kleinen sehe ich, dass es keine reine Erziehungssache ist und ich nach wie vor sehr froh bin, dass wir da stets bedürfnisorierntiert gehandelt haben.

Wieder mal kommt mein altbekannter Satz zum Einsatz:

Lasst euch nicht reinreden, wenn ihr davon überzeugt seid, dass das euer Weg ist.
Jedes Kind kann schlafen lernen. Mit Liebe, Geduld und Zeit. 

Alles Liebe,
Tanja

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9 comments

    Ich bin auch kein Fan vom "Schreien lassen". Wie oft musste ich mir auch anhören, dass ich die Kleine verwöhne, wenn ich ihrem Bedürftnis nach Nähe nachgehe. Und sie ist ein sehr liebesbedürftiger Mensch, von Anfang an! Die Große war nicht so. Die hat mit 8 Wochen durchgeschlafen, ist auch immer direkt allein eingeschlafen, wenn ich sie ins Bett legte. Ich habe bei der Kleinen nichts anders gemacht. Dennoch konnte sie im ersten Lebensjahr nie ohne mich einschlafen.
    Heute ist sie drei Jahre alt und nachdem ich ihr am Bett noch etwas vorgesungen oder -gelesen habe, schläft sie eigentlich problemlos allein ein. Bis vor kurzem kam sie aber auch fast jede Nacht zu uns ins Bett gekrabbelt. Seit einigen Nächten nicht. Manchmal fehlt es mir sogar! 😀 Ja, auch wenn ich deutlich schlechter schlafe, genieße ich natürlich trotzdem ihre Nähe.

    Hey Tanja,
    Ich finde dieses Buch auch so furchtbar und bin absolut nicht der Meinung, dass man sein Kind schreien lassen soll, nach dem Motto "Wenn es müde genug ist, schläft es von selbst ein…". Wir machen es mit unserem Zwerg auch so, dass wir unser Abendritual haben und im Anschluss bleibt einer von uns bei ihm und kuschelt ihn in den Schlaf. Wenn er schläft, legen wir ihn dann in sein Bettchen. Wenn wir Glück haben, dauert es 10-15 Minuten, es kann aber auch mal ne Stunde dauern (so wie heute zB). Aber er weint nicht und hat die Chance, entspannt einzuschlafen und kann sich einfach sicher fühlen.
    Alles Liebe,
    Anna

    Liebe Tanja,
    Ich glaube du bist ein sehr sympathischer Mensch, nach dem zu urteilen wie und was du immer schreibst. Schade dass man Blogger so selten persönlich kennen lernt.
    Lg Anni

    Ich habe selber noch keine Kinder, aber mittlerweile den Eindruck Schlafen und Essen sind die Themen bei denen man ja sooo viel falsch machen kann…

    Da ich selber ein sehr sehr schlechter (Ein-)Schläfer bin, kann ich nicht nachvollziehen wieso man der Meinung sein kann, so ein kleiner Wurm könne das einfach so ab Auslieferung.

    Wichtig ist denke ich bloß, dass man als Eltern an einem Strang zieht und auch die eigenen (Schlaf-/Ruhe-)Bedürfnisse nicht aus den Augen verliert.

    Liebe Tanja, dieses Thema, wie bekomme ich ihn ins Bett und wie vor allem zum durchschlafen im eigenen Bett beschäftigt mich Tag für Tag. Und ja, ich habe dieses Buch beim großen aus lauter Verzweiflung gekauft und das Programm auch angewendet. Ich wusste es nicht besser und war das abendlich Drama so leid, da der Große bis zu seinem ersten Geburtstag quasi allein und durchgeschlafen hat. Aber jetzt ist er sechs und fragt jeden Abend, kann ich bei dir schlafen!? Und selbst wenn er in seinem Bett einschläft, er kommt dennoch zu uns.
    Der kleine brauchte lange um allein einzuschlafen, er ist jetzt zwei. Abend für Abend saß ich manchmal über eine Stinde an seinem Bett, zu ihm gebeugt und lies mir an den Ohren, im Gesicht oder im Ausschnitt rumfummeln. Das machte er so, auch jetzt noch. Er schläft jetzt gut und schnell allein ein, aber kommt auch jede Nacht zu mir. Und dann sucht er die Nähe, fummelt mir am Ohr rum, will auf mir liegen. Und das nervt. Ich schlafe schlecht und unruhig, nie durch oder aus. Aber ich hab mir auch gesagt, irgendwann werden sie es wohl einfach lassen, und in ihren Betten schlafen.

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