[Leben] Jeder trägt sein Paket. Das Gewicht ist egal. Der Umgang zählt!

Ein leicht provozierender Titel. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass man mit dem richtigen Umgang, Vieles bewältigen kann. Nicht vergessen, nur verarbeiten! 
Mir ist durchaus bewusst, dass es Probleme, Depressionen usw. unterschiedlichster Art gibt und ich maße mir nicht an an zu sagen: Es wird alles gut, du musst nur daran glauben und die Hände in den Schoß legen. Hier geht es nun speziell um das Thema Verlust. Ich möchte euch einen Einblick gewähren und damit zeigen, dass hinter jedem Menschen eine Geschichte steht.
Jeder von uns hat schon einmal einen Verlust erlitten. Da bin ich mir ziemlich sicher. 
Wenn ich von Verlust rede, muss es nicht direkt der Tod sein. 
Was für ein Einstieg, nicht wahr? 
Die Frage ist auch nicht: Welcher Verlust ist schlimmer oder schwerwiegender? 
Der Verlust einer jahrelangen Freundin, Wegbegleiterin? Oder der Tod einer nahestehenden Person? Der Verlust eines Ungeborenen, also eine Fehlgeburt (leider noch immer ein Tabuthema)?
Ich bin der Meinung, man kann und soll nicht aufwiegen. Jede Form von Trauer diesbezüglich hat seine Daseinsberechtigung. Und genau darüber möchte ich euch heute hier etwas aufschreiben.
Vor 8 Jahren hat sich mein Leben auf den Kopf gestellt. Mit einem Mal, war nichts mehr wie vorher. Ich habe eine andere Sicht auf Dinge bekommen. Musste lernen, dass “Lappalien” anderer Menschen für sie eben wichtig sind, auch wenn es mir nichtig vorkam. Eine wichtige Person, mit der ich irgendwie erwachsen wurde, entschied sich für den Freitod. Da war es passiert. Ohne Vorwarnung, wie einer schweren Krankheit oder ein wahnsinnig hohes Alter. Nichts war wie es sollte. Ich war wütend und traurig zugleich. Ich habe irgendwie begriffen, was da passiert ist, und hatte nur im Kopf, dass mein Examen vor der Türe steht. Noch ein halbes Jahr und ich würde endlich mit der Ausbildung fertig sein. Das wollte ich mir nicht nehmen lassen. Durch keine Trauer, durch keine Wut und durch keinen Menschen, den ich doch so sehr liebte. 
Nach einer Woche Auszeit, versuchte ich meinen Alltag wieder aufzunehmen, mit dem Gedanken im Hinterkopf, meine Prüfungen zu schaffen. Mir ging es aber nach einer Weile, als das Ereignis etwas sackte schlechter. Es fing damit an, dass ich nicht mehr einschlafen konnte. Ich lag wach und starrte die Decke an. Am nächsten Tag, wenn Schule oder Arbeit riefen, habe ich dennoch funktioniert. Rückblickend weiß ich nicht wie das geklappt hat. Wenn ich das Haus verlassen musste, dann nur mit Maske. Wenn ich nach Hause kam, habe ich geweint. Nicht immer aber sehr oft.
Ich war jedes Wochenende an dem ich nicht arbeiten musste zu Hause bei meinen Eltern. Dort traf ich meine/unsere Freunde. Ich wusste stets, sie sind da. Aber ich konnte mich nicht befreien, indem ich darüber sprach. Aber ich nahm ihre Nähe dankend an. Wir gingen tanzen und das  die ganze Nacht. Meine ganz eigene Therapie. Musik, Tanzen, frei sein. An Schlaf war nicht zu denken. Dazu das Lernen für die Prüfungen.

Gezeichnet von lilablau-zu-monochrom (Instagram)

Die Prüfungen habe ich gut hinter mich gebracht und war stolz, alles gemeistert zu haben, freuen konnte ich mich nicht. Am Tag nach meiner Abschlussfeier stand ich bei meinen Eltern vor der Türe. Wie ich dahingekommen bin, das weiß ich nicht mehr. Mit dem Auto, ja. Aber ich erinnere mich nur noch, wie ich geklingelt habe. Meiner Mama stand die Erleichterung ins Gesicht geschrieben, denn sie spürte genau, dass ich zu ihnen kam, weil ich endlich auch ihre Hand annehmen konnte.

Ich verbrachte insgesamt drei Wochen bei meinen Eltern in meinem alten Kinderzimmer. Wir machten Spaziergänge, redeten viel und ich weinte mit meiner Mum zusammen. Wir lachten und erinnerten uns gemeinsam an schöne Dinge. 
Mittlerweile waren 8 Monate seit seinem Tod vergangen und ich fand wieder ins Leben zurück. Und zwar ohne Maske, mit nur einem kleinen Schutzschild. Mit dem Wissen an meiner Seite, dass egal was ist, ich immer aufgefangen werde und dem Vertrauen darin, dass man nur so viel als Last zu tragen bekommt, wie man auch schaffen kann.

Am Allerwichtigsten ist meiner Meinung nach, dass man nicht versucht irgendetwas zu verdrängen oder die Schuld bei sich zu suchen. Jeder ist nur für sich verantwortlich. Ich habe meinen Weg damit gefunden und Frieden schließen können. Ich lasse es zu, wenn mich in manchen Momenten die Gedanken übermannen. Ich weiß aber auch, dass sie wieder gehen müssen.

Aber das Schicksal wollte es so, dass ich all das mit positiven Gedanken versehe. Daran glaube ich, auch wenn der ein oder andere von euch nun denkt: was erzählt sie da?
Die Geburtstage meiner Kinder sind ausgerechnet an den zwei Tagen im Jahr, die die Person betreffend, sehr wichtig sind. Das ist schon ziemlich verrückt.
Trotzdem ich gelernt habe, wie ich mit diesem Verlust umzugehen habe, hat mich diese Erfahrung nie vor dem Umgang mit weiteren Verlusten geschützt. Als mein Mann und ich vor unserer ersten Tochter eine Fehlgeburt erlebt hatten, stand ich quasi wieder bei Null. Es war eben ein ganz anderer Verlust. Nicht schlimmer, nicht weniger schlimm. Nur anders. Wieder steht man an einem Punkt, an dem man sich besser nie die Frage stellen sollte: warum ich? Höchstens: Mir passiert sowas? Dann schaffe ich das. Wir haben außerdem daraus gelernt und bei der Schwangerschaft mit unserer großen Tochter, nicht erst unseren Freunden nach 12 Wochen davon erzählt, sondern sehr früh. Ich wollte nicht wieder erzählen müssen, dass wir ein Kind verloren haben, wovon ja niemand etwas wusste. Außerdem konnte ich mich so bedingungslos, wenn auch mit einer gewissen Angst, freuen, da ich wusste: wir werden aufgefangen und können im Zweifel gemeinsam trauern und uns aber auch direkt alle gemeinsam freuen.

Ein schweres Thema für einen Lifestyleblog, oder wie auch immer, man das hier nennen mag. Aber es ist Zeit nichts zu verschweigen und offen damit umzugehen. Ich möchte auch euch  damit Mut machen. Ihr könnt nicht in andere Menschen hineingucken. Aber ihr könnt ihnen die Hand reichen. Und andere Menschen, die es gut mit euch meinen, können ebenso wenig in euch hineinschauen. Und auch wenn eine Floskel so dahergesagt klingt, meint es euer Gegenüber wahrscheinlich nicht so abgedroschen, wie es für euch klingen mag. Aber Unsicherheit im Umgang mit schweren Themen lässt Menschen manchmal komische Dinge sagen, oder aber auch gar keine. Daher bin ich ein großer Freund davon, zu reden. Nicht zu tabuisieren. Verurteilt sie nicht in eurer Trauer, weil sie nicht die passenden Worte finden. Seid dankbar, dass sie da sein wollen.

Passt auf euch auf und schweigt nicht,
alles Liebe,
Tanja

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6 comments

    Nicht Anonym.. sondern hab nix anderes oder klappt seltsamerweise nicht.

    Ein sehr sehr treffendes Thema. Leider. Aber früher oder später wird jeder einmal mit einem Verlust konfrontiert. Sei es Weggang, Trennung einer wichtigen Person oder Verlust durch Tod. Du hast schon sehr früh etwas sehr schweres erleben müssen. Das ist mir bis jetzt erspart geblieben. Erspart bis zum 6.8. diesen Jahres. Ich habe jetzt mit 43 Jahren meinen Papa verloren. Ich weiß, dass es andere gibt, die viel früher ein Elternteil verloren haben und ich weiß auch, dass irgendwann einmal der Tag kommt, an dem mein sein Elternteil verliert. Und auch wenn ich erwachsen bin und mein Leben fest im Griff habe und ein hoffnungsloser Optimist bin, mich wie ein kleines Kind gefühlt. Ohne Papa…
    Ich musste bei deinem Text weinen und mir stehen auch jetzt die Tränen in den Augen. Mit Trennung des Partners können die meisten Menschen besser umgehen. Es ist auch schwer, aber das erlebt man ja doch irgendwie "öfters". Der Tod ist und bleibt irgendwo ein Tabuthema. Man weiß, dass es jeden treffen wird. Aber wirklich darüber reden mag niemand. Und wer bislang nicht davon betroffen ist, hat auch Schwierigkeiten damit umzugehen. Sei es, dass die betreffende Person nicht weiß was sie sagen soll oder einfach irgendetwas sagt. Ich habe es selbst jetzt auch erlebt. Fühlte mich auch erst wie vor den Kopf geschlagen, aber konnte es auch so sehen, dass sie nicht weiß, was sie einfach tun soll. Zum Glück ist mein Mann da, der mich jetzt auffangen kann. Denn meine Mama selbst kann es nicht. Hat sie selbst doch ihren Mann verloren, mit dem sie ihr ganzes Leben zusammen gewesen ist. Sie nimmt mich und meine Schwester in den Arm, aber wirklich trösten kann sie nicht. Sie benötigt ja selbst Trost. Und jeder Mensch verarbeitet es anders. Ich habe einiges aufgeschrieben und finde nach einer längeren AU wieder langsam zurück in mein Leben, ins Arbeitsleben. Aber verarbeitet? Nein, noch lange nicht. Es tut noch viel zu sehr weh, zu viele Erinnerungen. Es kam zu schnell und ging zu plötzlich und obwohl ich der tödlichen Krankheit mir sehr bewusst gewesen bin, war ich trotzdem so optimistisch. Umso härter trifft es mich, dass wir/er so gar keine Chance hatte zu kämpfen, etwas länger zu leben. Ich hab soviel versucht.
    Aber so kämpfe ich mich jetzt in mein Leben zurück und ja, wenn mir danach ist, dann weine ich einfach. Und das wird wahrscheinlich sehr oft passieren. Ich weiß, dass irgendwann eine Zeit kommen wird, in der es weniger weh tun wird. Und bis dahin muss ich einfach leben, an mich denken, auf meine Gefühle hören und achten, aber versuchen nicht ungerecht zu werden. Anderen gegenüber. Denn jeder hat sein Päckchen zu tragen. Gleich was es ist. In dem Augenblick ist es halt für die andere Person wichtig, auch wenn es in meinen Augen Killefitz ist vielleicht. Außerdem lenkt ein anderes Thema den Trauernden durchaus ab, holt ihn aus seiner Trauer für einen Moment heraus und das alleine ist nur positiv zu sehen. Denke ich.
    Bei mir fällt übrigens der Todestag von meinem Papa in die Nähe meines Hochzeitstages. Eine Woche nach seinem Tod haben wir unseren Hochzeitstag. Nun weine ich an einem Tag und trauer und kann dann mit Freude im Herzen auf einen anderen Tag schauen…. hat Papa oder wer auch immer geschickt gemacht 😉
    Ich wünsche jedem viel Kraft mit seinem eigenen persönlichen Schicksal gut umzugehen und jedem anderen Mut und Zuversicht um an das Thema heran zu gehen. Redet mit dem Trauernden, seid da. Sei es mit einer Umarmung, einem tröstenden Wort oder auch mit etwas anderem. Verzeiht, wenn der andere etwas ungerechter ist.. er wird auch wieder gerecht werden. Und habt einfach Geduld. Mit dem anderen und mit euch selbst.

    Danke dir für dieses Thema.
    Alles Liebe
    Andrea

    Bei meiner ersten Schwangerschaft war für mich ganz klar, vor der 12. Woche sage ich nichts, zu groß war meine Angst, es könnte was passieren. Dieser Eintrag bringt mich ins Grübeln, ob es nicht besser ist, den engsten Leuten schon davor Bescheid zu sagen.

    Danke für deine offenen Worte, ich finde es toll, wenn das Thema Fehlgeburt auch öffentlich besprochen wird und kein Tabuthema bleibt.

    Tolle Worte. Hatte Tränen in den Augen !!!!!!! Ich habe vor meiner Tochter (1 Jahr) auch eine Fehlgeburt gehabt. Ich hatte sehr damit zu kämpfen und fragte mich oft warum gerade uns das passierte. Ein Jahr zuvor bekam ich eine schlimme Diagnose und dann eine Fehlgeburt. Zum Glück hatte ich liebe Menschen die für mich in dieser Zeit da waren.

    Liebe Grüße !!

    Danke dir für diesen berührenden Blogpost… ich sitze hier mit Tränen in den Augen und kann nur nicken, wenn ich deine Worte lese. Jeder hat sein Päckchen zu tragen… da hast du so Recht. Ich drücke dich mal virtuell und bewundere es, wie du mit deinen Verlusten umgehst. Ich sollte mir davon mal eine Scheibe abschneiden.

    Alles Liebe
    Anni

    Liebe Tanja,
    da kamen mir auch die Tränen…Danke fürs Vertrauen. Wirklich jeder trägt sein Päckchen, und Schmerz lässt sich nicht aufwiegen.

    "Jeder steht man an einem Punkt, an dem man sich besser nie die Frage stellen sollte: warum ich? Höchstens: Mir passiert sowas? Dann schaffe ich das." – Wahre Worte. Nicht "Why me?" sondern "Try me!". Wir sind alle noch hier. Einen dicken Drücker.

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