[Leben] Muss-Kind oder einfach nur Kind? – Die Schule ruft!

Wenn unsere Generation eines kann, dann Dinge zerdenken. Da schließe ich mich direkt mit ein, damit ihr seht, ich zeige gerade nicht mit dem Zeigefinger auf euch. Vielleicht liegt es daran, dass wir (zu) viele Möglichkeiten haben? Wir streben selbstverständlich danach, nur das Beste für unser Kind zu wollen. Aber was ist das Beste? Das was wir glauben? Oder das was uns vorgegeben wird in Form von Stichtagen? Was für eine Frage, oder?

Stichtagregelung: Die Schule ruft?

In NRW ist es mit den Stichtagen so, dass alle Kinder, die bis zum 30.09. eines Jahres Geburtstag haben und 5 werden, im nächsten Jahr ein sogenanntes Muss-Kind sind. Sie sind somit schulpflichtig. Möchte man dies verhindern, muss man diverse Punkte durchlaufen, um sein Kind noch Jahr länger im Kindergarten lassen zu dürfen.

Als vor zwei Jahren ein Brief ins Haus flatterte, “Wir laden sie herzlich zu einer Informationsveranstaltung bei der Stadt ein, da ihr Kind 2017 ein Schulkind sein wird.”, dachte ich, mir fällt alles aus dem Gesicht. Was sollte ich denn mit dieser Information anfangen, wo sie doch gerade erst in den Kindergarten gekommen ist? Schule? So weit weg! Und jetzt? Jetzt ist sie bereits an der Schule angemeldet. Es ist noch ein Jahr und keinesfalls weit weg.

Müssen oder dürfen?

Sie muss, sie ist ein Muss-Kind. Oder einfach nur ein ganz normales Kind, welches nun zur Schule gehen darf? Das ihr die Tragweite nicht bewusst ist, was es bedeutet plötzlich ein Schulkind zu sein, dessen bin ich mir bewusst. Dennoch bremse ich sie nicht in ihrer Vorfreude. Bereits im letzten Jahr durfte sie am Vorschulprogramm im Kindergarten teilnehmen, wenn sie danach fragte, da ihr Interesse dahingehend schon sehr groß war. Und jetzt, sind die Tage die mit Vorschuldingen gefüllt sind ihre liebsten im Kindergarten. Hier werden Hefte gelöst, Namen geschrieben und fleißig gezählt. Es gibt Projekte und sie wächst mit jedem Tag daran. Ich erzähle euch das nicht, weil ich glaube, dass das der Garant dafür ist, dass es tip top in der Schule laufen wird, weil ihr Interesse bereits jetzt dafür sehr groß ist. Ich erzähle es euch, weil es schön ist zu sehen, wie viel Spaß es ihr macht Wissen aufzusaugen.

Frustration, Konzentration, Ausdauer, soziales Verhalten. Alles Punkte über die man nachdenkt, wenn man sich überlegt (egal ob Stichtag oder nicht), ob sein Kind wohl nächstes Jahr bereit ist für die Schule. Aber mal ehrlich. Nächstes Jahr. Wie soll man eigentlich realistisch diese Entscheidung treffen? In einem Jahr machen Kinder in diesem Alter solche Entwicklungsschritte, dass es fast unmöglich scheint, solch eine Entscheidung zu treffen. Letztes Jahr dachte ich noch: In zwei Jahren soll sie tatsächlich in die Schule müssen? Wie soll das funktionieren? Und jetzt? Da denke ich: Schön, dass sie nächstes Jahr in die Schule darf. Denn die Punkte, die mir vielleicht noch schwer im Magen lagen, haben sich alleine vom letzten Sommer, bis hin zu diesem Sommer verwachsen. Sie sind nicht mehr existent.

Zurückstellen? Für sich oder für das Kind?

Wir haben zugegebenermaßen auch mal kurz überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre sie ein Jahr zurückstellen zu lassen. Sie wurde 3 Tage vor dem Stichtag 5, wird somit eine der Jüngsten bei der Einschulung sein. Als wir uns mit diesem Gedanken trugen, fing mich eine ihrer Erzieherinnen ab. Wir haben uns über den Kindergartentag unserer Tochter unterhalten. Heraus kam, dass sie phasenweise ganz schön viel Quatsch anstellt. Aber nicht, weil sie querschießen möchte, sondern weil ihr manchmal langweilig ist. Aber nicht diese Art von Langweile die auch einfach mal gut ist.  Und sie machen ziemlich viele tolle Sachen im Kindergarten. Nun haben sie einen sehr guten Weg gefunden und handeln noch bedürfnisorientierter. Seitdem das so ist, hat sich das Problem in Luft aufgelöst, genauso wie unsere Überlegung für die Rückstellung, die in Wahrheit nie wirklich existent war. Denn genau diese Beobachtung vom Kindergarten machen wir auch hier Hause.

Schulkind Rougerepertoire
Quelle: Sunny studio/Shutterstock

Einschulung

Natürlich finde ich sie immer noch klein, wenn sie nächstes Jahr nach ihrer Einschulung 6 Jahre alt wird. Natürlich wünsche ich ihr so viel Freiraum in ihrer Kindheit, wie es nur geht. Nur um welchen Preis? Jetzt ist ihre Euphorie groß! Als wir beim Tag der offenen Tür in der Schule waren, setzte sie sich mit den anderen Besucherkindern mit in die Klasse und schaute nicht einmal nach wo ich bin. Sie beteiligte sich am Unterricht und war hinterher zufrieden. Und diesen Zustand, erreicht sie nicht allzu oft. Ich glaube ja, man muss den Kindern eine Chance geben und an sie glauben! Bereits im letzten Jahr hat sie sich so sehr darauf gefreut dieses Jahr ein Vorschulkind zu werden. Würden wir sie jetzt zurückstellen lassen und sie käme nächstes Jahr nicht in die Schule, was würde sie daraus lernen? Das wir glauben, sie sei nächstes Jahr noch nicht so weit? Wenn sie keinerlei Interesse hegen würde und Buchstaben für sie ein Grund zum Weglaufen wären (um es mal überspitzt darzustellen), dann wäre das etwas vollkommen anderes. Aber in unserem Fall, wäre es ein Urteil von uns gegenüber unserem Kind, das täglich Signale sendet, dass es in die Schule möchte. Denn wir würden in Frage stellen, was sie tut und intervenieren.

Ich weiß nicht, ob es die richtige Entscheidung ist, sie nicht zurückstellen zu lassen, da ich nicht die in Zukunft schauen kann. Für jetzt, wo wir diese Entscheidung treffen mussten, ist es definitiv die richtige Entscheidung gewesen. Alles andere wären Spekulationen.

Wie ist das bei euch? Habt ihr im nächsten Jahr ein Schulkind? 

Alles Liebe,
Tanja

[Leben] Manchmal – Haltet die Welt an, ich muss nachdenken!

Manchmal fasse ich einen Gedanken, habe eine Idee, brenne in diesem Moment genau dafür, möchte sie umsetzen. Am Besten sofort. Und dann? Dann ertönt ein “Mamaaaaaaaaaaaaaa, kannst du mir bitte helfen?” Ich finde es ganz…