[Leben] Sternenkinder

Verlust ist schlimm.
Verlust bedeutet Neuanfang.
Verlust bedeutet ebenso Leben spüren. Nicht von seiner schönen Seite.
Verlust bedeutet Umdenken.

Die 12. SSW und plötzlich hat man ein Sternenkind

Wer schon lange meinen Blog liest, der hat damals auch etwas über “Bambi” gelesen. Und dann nicht mehr. Dies war meine erste Schwangerschaft. Der errechnete Termin war exakt auf den gleichen Tag datiert, wie der einer meiner engsten Freundinnen.
Sie gehörte zu den wenigen Personen, neben unseren Eltern, denen wir erzählt haben, dass wir ein Baby erwarten. Wollten wir doch eigentlich still und leise die ersten 12 Wochen das Wunder genießen. Schließlich liest man das doch so auch in den Ratgebern und bekommt dies im Freundeskreis mit. Es war schön, unser Geheimnis, unser Wunder still genießen zu können. Bis zu dem Tag der Routineuntersuchung. Als die Ärztin sehr lange schallte und dabei immer ernster wurde. 11+2, 12. SSW, ein Zeitpunkt, wo man sich fast in Sicherheit wiegt. Ein Bisschen zumindest. Aber die Ärztin musste nichts sagen. Wir sahen ebenso, was sie sah. Das was nicht mehr da war – der Herzschlag. Ich weinte.
Zu Hause weinten wir Beide.

Missed abortion

Am nächsten Tag gab es einen Kontrollschall wo mir die Ärztin im Krankenhaus unser Sternenkind bestätigte und mir zu einem Eingriff riet.
Ich fühlte mich so leer. Wollte meine nicht schwangere Freundin anrufen. Ach stopp! Dazu musste ich aber erst erzählen, dass ich schwanger war. Das hat man nun davon, wenn man es so handhabt, wie es eben alle tun. Aber wisst ihr was ich daraus gelernt habe? Ich habe sowohl bei der Grossen, als auch bei der Kleinen, sehr schnell davon erzählt. Wie soll man mich, uns, auffangen, wenn gar keiner davon weiss, bzw. ein nur sehr eingeschränkter Teil? Ein paar Tage vergingen und es fiel mir sehr schwer Kontakt zu meiner Freundin aufzunehmen, meine “Kugelschwester”.  An ihr habe ich schliesslich gesehen, was ich zum gleichen Zeitpunkt nicht mehr hatte, konnte man hier ja nun wirklich Tag für Tag vergleichen, auch wenn jede Schwangerschaft unterschiedlich verläuft. Das Einzige was sinnvoll war: ich sagte ihr, dass ich sie sehr lieb habe, ich aber wohl erst einmal nicht die Freundin bin, die sie in die Stadt begleitet, fürs Babyshopping oder Umstandskleidung kaufen. Das wäre auch unausgesprochen klar gewesen, aber ich bin mir sicher,  dass die durchweg offene Kommunikation unsere Freundschaft über diese schwere Zeit gerettet hat.
Heute sind ihr Sohn, der tatsächlich an seinem ET, an unserem ET, zur Welt kam und meine Grosse enge Freunde.

Junge oder Mädchen?

Meine Freundin und ich unterhielten uns, dass gerade bei den Schwangeren wieder so eine Jungenwelle da wäre, zumindest im Freundeskreis. Wie eben damals. Wir hielten kurz inne und ich stellte fest, dass meine Grosse unter uns Freunden tatsächlich das erste Mädchen wäre. Aber vielleicht wäre das Baby, unser Sternchen ein Junge geworden? Ich weiß es nicht. Ich würde es aber gerne wissen.
Warum ich euch mal wieder meine Seele verkaufe?  Weil mehr Frauen Fehlgeburten erleiden, als man denkt.  Wie viele Frauen in meinem Umfeld, dass bereits erlebt haben, es aber immer totgeschwiegen wurde, damit hätte ich nie gerechnet. Dies ist kein Thema, was tabuisiert werden sollte. Es beinhaltet den Umgang mit Verlust.  Und Verlust verändert. Also schweigt nicht bei euren Liebsten, sordern teilt. Wie soll sonst jemand verstehen,  was mit euch los ist.
Wir zünden regelmäßig eine Kerze für unser Sternenkind an und sind dankbar, zwei gesunde Töchter zu haben und diesen Schicksalsschlag nur einmal erlebt haben zu müssen. Manche Familien sind da ganz anders betroffen. Und ich weiß, Weihnachten steht vor der Türe. Dennoch muss dieses Thema hier nun einen Platz bekommen. Besonders zum Fest der Liebe. Weil auch dieses Kind, was nicht zur Welt kam, bereits geliebt wurde.
Alles Liebe,
Tanja