[Leben] {Gastbeitrag} Eingewöhnung abgebrochen – Wenn Mama und / oder Kind noch nicht bereit sind

Hi! Mein Name ist Danni, ich bin fast 33 und lebe mit meinem Mann, unseren zwei Kindern und zwei Katzen im schönen Siebengebirge. Seit knapp einem Jahr berichte ich auf Instagram von unserem mehr oder weniger chaotischen Familienalltag und unserer Entscheidung dafür, unseren Kindern auf Augenhöhe zu begegnen.
Vor meinem Leben als Vollzeitmama war ich im IT-Risikomanagement tätig – eine völlig andere Welt, in die ich nicht mehr zurückkehren möchte. Den Alltag als 2-fach Mama überstehe ich mit viel Kaffee und einer guten Portion Humor meistens ganz gut. Ich versuche, mir immer vor Augen zu führen, dass diese Jahre mit kleinen Kindern zwar anstrengend sind, aber eigentlich doch viel zu schnell vorübergehen.

Meine Tochter sollte ursprünglich mit einem Jahr in die Fremdbetreuung gehen. So hatten mein Mann und ich es uns während der Schwangerschaft überlegt und schließlich ist dies ja auch heutzutage der Normalzustand. Doch am Ende kam alles anders als gedacht.

Erste Wahl für die Eingewöhnung: Tagesmutter!

Wir entschieden uns für die Betreuung durch eine Tagesmutter, da wir die Vorstellung hatten, dass sie sich – in einer kleinen Gruppe – besser um unsere Tochter kümmern könne als die Erzieherinnen in einer überfüllten Kita. Nach mehreren Kennenlern-Terminen hatten wir uns jedoch noch für keine der Damen entscheiden wollen. Niemand  entsprach unseren Kriterien (bedürfnisorientierter Ansatz, gutes Essen, viel frische Luft). Dann trafen wir allerdings auf eine wirklich liebevolle Tagesmutter, die nur 3 anstatt der erlaubten 5 Kinder betreute und die auch sonst alles erfüllte, was wir auf unserer Liste stehen hatten. Auf dem Weg von ihrer Haustür zurück zum Auto brach ich in Tränen aus – mir wurde schlagartig bewusst, dass ich meine Tochter nun abgeben muss!!
Mein Baby, mein Herz in die Hände einer zwar sehr sympathischen aber dennoch fremden Frau zu übergeben fühlte sich plötzlich völlig falsch an – i c h war noch nicht bereit, meine Tochter loszulassen. Und so sprachen mein Mann und ich über unsere Möglichkeiten.

Es dauerte nicht lange, da hatten wir uns für ein halbes Jahr mehr Elternzeit und gegen die Fremdbetreuung entschieden. So vergingen sechs Monate, die ich wirklich mehr als genossen habe. Zu sehen und live mitzuerleben, welche riesigen Entwicklungsschritte meine Tochter in dieser Zeit gemacht hat, war für mich mehr wert als jeder Arbeitslohn und glücklicherweise konnten wir uns diesen Luxus erlauben.

Nächster Versuch: Kindergarten!

Im Sommer 2015 sollte es dann aber soweit sein: Meine Tochter wurde mit 1,5 Jahren ein Kindergartenkind! Sie spielte zu diesem Zeitpunkt schon sehr gerne mit anderen Kindern und ich hatte das Gefühl, dass sie langsam aber sicher mehr Angebot braucht, als ich ihr zu Hause bieten kann. Sie startete also die Eingewöhnung in einem Kindergarten, in dem auch Kinder unter 3 Jahren betreut werden. Die Einrichtung gefiel uns auf den ersten Blick gut, die Leitung war sympathisch und alles schien zu passen.

Die Eingewöhnung verlief nach dem Berliner Modell, wir waren also drei Tage gemeinsam bis zum Mittag in der Kita und am vierten Tag gab es den ersten Trennungsversuch. Dass meine Tochter sich von der Erzieherin nicht anfassen lassen wollte, blieb dabei unbeachtet. Dass meine Tochter um ihr Leben schrie als ich mich umdrehte und ging, ebenfalls. Mein Herz zerbrach in 1000 Teile und nur viele, viele beruhigende Worte meines Mannes konnten mich dazu bringen, am nächsten Tag weiterzumachen. Es folgte ein nächster Trennungsversuch, wieder schrie meine Tochter wie am Spieß. Die erste Woche im Kindergarten ging mit vielen Tränen zu Ende.

Wer das Berliner Modell kennt, der weiß, dass nach einem Wochenende keine Trennung stattfindet. Die Erzieherin kannte das Berliner Modell scheinbar nicht. Meine Tochter wurde also direkt montags wieder von mir getrennt und wieder verbrachte sie die Minuten bis zur Wiedervereinigung mit lautem Gebrüll. Mir war bereits zu diesem Zeitpunkt klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Dies war nicht der Weg, den ich gehen wollte und definitiv nicht der Weg, den ich mir für meine Tochter wünschte. Dabei war meine Tochter aber auch nicht das einzige Kind, dass so reagierte. Nur die anderen Eltern schienen damit weniger Probleme zu haben.

Mehrere Gespräche mit der Erzieherin meiner Tochter brachten nichts. Die Leitung hatte mittlerweile die Einrichtung verlassen, unsere Erzierhin war die vorübergehende Vertretung. Jeder Versuch, um eine andere, sanftere Form der Eingewöhnung zu bitten, wurde abgewehrt. Das Berliner Modell wäre erprobt, das würde immer funktionieren. Dass nicht alle Kinder ebenso funktionieren (müssen) schien beim Fachpersonal nicht auf Verständnis zu treffen.

Jedes Kind ist anders!

Doch auch mein Mann und ich haben lange gebraucht, zu verstehen, dass es manchmal nicht nach Plan läuft und dass nicht jedes Kind zum gleichen Zeitpunkt bereit für eine Fremdbetreuung ist. Viele Wochen lang habe ich meine Tochter jeden Morgen in die Kita gebracht, habe auf einen Durchbruch gehofft und mir einfach nur gewünscht, dass meine Tochter “normal” sei – denn alle anderen Eltern waren schon lange in ihren Beruf zurückgekehrt und hatten ihre Kinder mehr oder weniger glücklich im Kindergarten zurückgelassen. Wieso konnte meine Tochter nicht aufgeben? Wieso konnte ich mich nicht mit ihrem Geschrei abfinden?

Was ich auch tat und so sehr ich es wollte, wir kamen nicht voran. Der typische Vorwurf, ich könne einfach “nicht loslassen” hing mir mittlerweile zu den Ohren heraus. Jeden Abend berichtete ich meinem Mann wutentbrannt von den Geschehnissen des Tages. Erzählte von den anderen Kindern, die ebenfalls weinten und deren Eltern beim Abholen dreist belogen wurden. Aus 10 – 15 Minuten verzweifeltem Geschrei wurden “wenige Minuten Weinen” gemacht, was mich wirklich fassungslos machte. Ich recherchierte daher im Internet, welche Möglichkeiten es für uns gab und nach drei langen Monaten haben wir uns und unsere Tochter endlich erlöst und den Betreuungsvertrag gekündigt.
Warum wir so lange gewartet haben? Weil wir eigentlich mein Einkommen brauchten. Weil wir eben zunächst nicht wussten, dass ein Kind noch nicht “reif” für diese Art der Betreuung sein kann.

Noch heute kann ich mich daran erinnern, wie ich im Warteraum der Kita gesessen habe und meine Tochter von draußen bis in den Keller nach mir habe Schreien hören. Bei dem Gedanken daran kommen mir die Tränen. Ich weiß nicht, ob meine Tochter sich unbewusst noch an diese Zeit erinnern kann. Ob diese Wochen der Eingewöhnung evtl. ein Stück ihres Urvertrauens zerstört haben. Doch ich weiß mit großer Sicherheit, dass ich meinem Sohn dieses Martyrium ersparen werde. Sollte er nächstes Jahr noch nicht bereit für den Kindergarten sein – was ich zum jetzigen Zeitpunkt für unwahrscheinlich halte, denn er würde schon jetzt am Liebsten mit seiner Schwester dort bleiben – so werde ich mit der Leitung über unsere Möglichkeiten sprechen und im Zweifel die Eingewöhnung frühzeitig abbrechen!

Signale beachten!

Nach den Erfahrungen, die wir machen mussten, ist es für mich einfach nicht mehr tragbar, dass die Gefühle und Ängste der Kinder in dieser – für sie so wichtigen – Zeit unbeachtet bleiben! Natürlich ist es für jedes Kind zu Beginn ungewohnt, in einer fremden Umgebung von fremden Menschen betreut zu werden. Ein paar Tränchen gehören wohl oder übel zu jeder Eingewöhnung, auch wenn mir das nach wie vor Bauchschmerzen bereitet. Doch auch Eltern haben ein Recht darauf, skeptisch zu sein und Bedenken zu haben. Das hat nichts mit “Helikoptereltern” oder “Gluckenverhalten” zu tun, nein, es ist einfach nur menschlich!
So soll dieser Bericht keine Gegenrede zur frühen (U3) Fremdbetreuung sein, sondern lediglich darauf aufmerksam machen, dass es manchmal noch zu früh ist und vor allem jedes Kind anders ist. Eine Eingewöhnung muss nicht nach einem bestimmten Schema ablaufen, es sollte immer auf die Bedürfnisse des Kindes und der Eltern eingegangen werden. Und auch, wenn das im Tagesablauf der Einrichtung nicht leicht ist, so ist es langfristig doch der einzige Weg, das Kind wirklich an die neue Situation zu gewöhnen!

Die Zeit hat geholfen!

Meine Tochter wurde schließlich ein weiteres Jahr später, also mit 2,5 Jahren, eingewöhnt – in einer anderen Einrichtung natürlich. Auch hier wurde das Berliner Modell angewandt, dank ihres Alters konnte meine Tochter die Vorgehensweise aber viel besser verstehen und die Trennung von mir akzeptieren. Je älter das Kind, desto höher ist für mich daher die Wahrscheinlichkeit für einer schmerzfreie Eingewöhnung. Nicht umsonst war es viele Jahrzehnte üblich, Kinder erst ab 3 Jahren in den Kindergarten zu bringen und noch heute besteht erst ab dem Vorschulalter eine Kindergartenpflicht!

Alles Liebe,

Danni

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