[Leben] Klarer Durchblick – Brille und Kind

Ich gehöre zu den Brillenträgern. Ich bin kurzsichtig, zumindest was meine Sehleistung angeht. Im Kindergarten war das noch anders. Denn dort bekam ich meine erste Brille. Bunt gesprenkelt war sie und ich war ganz schön stolz auf sie. Damals war ich weitsichtig, wie es wenn dann die meisten Kinder sind, die eine Brille benötigen. Laut meiner Mama ist das übrigens nur aufgefallen, weil ich irgendwann sehr dicht an sämtliche Dinge herantrat, weil ich so offensichtlich besser gucken konnte.

Wie uns auffiel, dass etwas nicht stimmt und sie vielleicht eine Brille braucht

Seit ein paar Wochen sagte R. mir abends immer wieder, dass ihr linkes Auge weh tut. Nicht jeden Abend. Aber 4-5 Mal die Woche schon. Es war nicht gereizt, es gab keinen äußeren Einfluss, wie ein “Schlag” durch einen Ball oder ähnliches. Ebenso merkten wir immer mehr, dass sie zwar gern malt, aber das schnell aufgibt, was wir erst auf eine normale Ungeduld geschoben haben, mir aber im Zusammenhang mit den geäußerten Augenschmerzen seltsam vorkam. Also klemmte ich mich hinter das Telefon und versuchte einen Augenarzttermin auszumachen.

Praxis Nummer 1: “Ja ich kann ihnen in zwei Wochen einen Termin anbieten. Sie sind doch privatversichert, oder?” “Nein das bin ich nicht!” “Gut, dann habe ich im August einen Termin für sie.” “Vielen Dank und auf Wiedersehen!”
Praxis Nummer 2: “Wir nehmen leider keine neuen Patienten zur Zeit auf, es sei denn sie haben eine spezielle Überweisung, weswegen sie ausgerechnet zu uns kommen müssen.
“Praxis Nummer 3: “In 4 Wochen können sie einen Termin haben.” “Hervorragend, den nehme ich doch gerne!”

Vor zwei Wochen war es dann endlich so weit. Die Äußerungen, ihr Auge tue weh, wurden zwar weniger, aber waren immer noch präsent. Die Praxis schien übrigens eine gute Wahl zu sein. Sie waren hervorragend ausgestattet was Kinder betrifft. Sie kam aber quasi nicht dazu die Spielecke zu testen, da wir nicht mal 3 Minuten warten mussten und ich es somit noch als sehr pünktlich betiteln würden, wann wir dran waren.

Auf geht’s in die Sehschule

Bei der Orthoptistin in der Sehschule dort fiel auf, dass beide Augen eine Schwäche haben, das linke aber noch mehr. Um wirklich genau messen zu können, stimmte ich zu, dass ihre Augen getropft werden. So werden die Pupillen extra weit und der Augenarzt kann den Sehnerv gut einsehen und noch einmal messen. Also wurde schnell abgeklärt, ob irgendwelche Krankheiten vorliegen, damit die Tropfen wirklich gegeben werden dürfen. Sie brennen etwas, ich kenne das ja selber, und sie hat das wirklich alles ganz tapfer gemacht. Nachdem 3 Mal im Abstand von 10 Minuten getropft wurde und weitere 20 Minuten vergangen waren, schaute ihr dann noch der Arzt in die Augen und rezeptierte das, was ich bereits stark vermutete: R. braucht eine Brille. Und meine Schilderungen wären typisch (keine Ausdauer bei nahen Tätigkeiten, wie malen, puzzeln usw.) weil das für die Augen eben eine sehr große Anstrengung bedeutet.
Eine ihrer engsten Freundinnen hat bereits eine Brille, weswegen ihr das nicht fremd ist und im Kindergarten gibt es ebenso ein paar Kinder, die zur Brillencrew gehören.
Ihre Bitte war, ob wir bald gucken gehen könnten, ob wir eine Brille finden. Der Arzt gab für den nächsten Tag sein ok, solange sie draußen eine Sonnenbrille oder einen Sonnenhut tragen würde, falls die Pupillen noch etwas größer sein sollten. Vorsichtshalber hatte ich aber bereits ihre Sonnenbrille eingepackt, da ich mir das mit den Tropfen bereits dachte und war somit auch für den Tag danach gewappnet.

Was sagt denn eine Optikerin zur Wahl für die erste Brille?

Meine sehr gute Freundin P. ist Optikerin und unter anderem Mama einer kleinen Brillenträgerin. Ich habe sie natürlich gefragt, worauf wir beim Brillenkauf achten müssen. Und da habe mir gedacht, es wäre vielleicht für euch ebenso hilfreich, noch ein paar Infos aus fachlicher Sicht mit sogar eigener privater Erfahrung zu lesen, falls ihr auch mal in diese Situation kommt. Daher schrieb sie mir ihre Antwort noch einmal detailliert auf.

“Wonach sollte ich mich beim Optiker umsehen, wenn ich mit meinem Kindergartenkind dorthin komme? Was wird einem gern geraten, ist aber gerade bei einer ersten Brille nicht notwendig?”

Zunächst einmal steht gerade beim Thema Brille generell und bei Kinderbrillen im Besonderen die Beratung durch den Augenoptiker ganz wesentlich im Vordergrund. Optiker, bei denen diese nicht gewährleistet ist oder der Kunde sich gar selbst überlassen ist, sollte man gerade mit Kindern meiden. Nur Fachleute sind zB in der Lage, den Sitz der Brillengläser optometrisch korrekt sicher zu stellen und damit gutes Sehen zu ermöglichen. Grundsätzlich lässt sich aber festhalten: Geht dahin, wo Ihr ein gutes Gefühl habt und Euch aufgehoben sowie verstanden fühlt.

Die Fassung muss genauso wie die Wahl der Brillengläser sowohl zur Anatomie als auch den Brillenglasstärken passend sein. Die erste Brille dient im Grunde dem Erlernen des Umgangs mit ihr. Was bei Kinderbrillen unerlässlich ist, ist die Verwendung eines Kunststoffglases, das hohe Bruchsicherheit und leichten Tragekomfort bedeutet. Beim Thema Entspiegelung scheiden sich die Geister, lange war ich davon überzeugt, dass gerade wegen der Kurzlebigkeit der ersten Brille eine solche Veredelung nicht notwendig ist. Mittlerweile muss ich aber sagen, dass die große Tochter vermutlich auch gerade wegen des enorm unauffälligen Glases durch die Entspiegelung ihre Brille so gut und ohne Murren annahm. Natürlich spielt auch bei Brillenfassungen ein modischer Aspekt eine Rolle, mir persönlich war zunächst die Unauffälligkeit aus Sicht des Kindes wichtig, damit einfach das exzellente Sehen gegeben war ohne ein stetes Ablenken des Kinderauges auf einen ausgeprägten Kunststoffrahmen zB im Nerdstil. Wir wählten eine sehr dezente Fassung aus Titanflex, die nicht nur den ein oder andern robusten Griff des kleinen Bruders mitmacht, sondern eben auch ausgesprochen leicht und somit kaum spürbar für meine kleine Trägerin sind.

Welche Brille wird es?

Beim Optiker meines Vertrauens kamen wir relativ zügig dran und setzten R. diverse Brillen auf die Nase. Sie wollte am allerliebsten so eine Brille haben wie ich sie trage. Mit Rahmen und groß. Zum Glück merkte sie schnell, dass sie für sie als erste Brille doch gar nicht so gut geeignet wäre. Und wenn sie meiner Augenkarriere nacheifert, die nicht schlimm, aber existent ist, dann wird sie irgendwann auch zu so einem Gestell kommen.
Wir wurden fündig. Ein flexibler Rahmen, in einem Farbton ihrer Wahl.

Eine gute Woche später konnten wir sie endlich abholen. Endlich? Ja sie könnte es kaum erwarten und fragte täglich danach.

Eine Eingewöhnung für die Brille und das Kind

Als wir die Brille abholen konnten, spiegelte sich der gute Service vom Kauf leider nicht mehr wieder und die Brille wurde nicht besonders gut angepasst. Ich konnte das als nicht Fachfrau nicht erkennen. Allerdings beklagte sich meine Tochter den ganzen Nachmittag, dass die Brille rutscht. Das erhöht wiederum nicht die benötigte Compliance des Kindes, um zu Lernen, das die Brille auf der Nase bleibt, damit sich die Augen dran gewöhnen können.Das Problem konnte aber zum Glück auch noch gelöst werden und ich bin sehr stolz, wie unproblematisch sie die Brille annimmt. Sie findet sich damit schick und das ist gut so. Ich wünsche ihr sehr, dass sie deswegen nicht gehänselt wird. Aber sie steht da schon jetzt sehr hinter, dass sie vermutlich drüberstehen würde.

Ich hoffe mein kleiner Ausflug in die Welt der Augen war ganz interessant für euch und ihr konntet ein paar Informationen dazu gewinnen. Denn wer weiß? Vielleicht seid ihr auch irgendwann einmal mit eurem Kind beim Augenarzt.

Alles Liebe
Tanja