[Leben] Verwöhnt ist verpönt.

“Sie sehen aus, wie zwei verwöhnte Prinzessinnen”

Höre ich sie sagen, als meine Mädchen kürzlich zusammen auf dem Spielplatz kletterten und musste dabei schlucken.
Morgens suchten sie sich Kleider aus. Bequem, weich, elastisch. Mit einem Rockteil, das schwingend ist und glitzert.  Eigentlich wollten wir an dem Tag etwas Anderes machen. Aber im Vorbeilaufen sahen wir Freunde und machten einen Abstecher zum Schaukeln und Spielen.

Meine Freundin, Mutter eines Sohnes, die neben mir stand und es ebenso hörte, sagte:

“Sind heutzutage nicht alle Kinder verwöhnt? Und wer sagt eigentlich, dass man sein Kind nicht verwöhnen darf? Und woran machst du das fest?”

Ein Dialog entstand. Ich sah die Zwei nur in ihren Glitzerflitzerkleidchen, die sie so sehr mögen, die Piratenprinzessinen.  Natürlich wurde irgendwie ein Klischee bedient. Zöpfchen, Kleidchen usw. Mit dem Unterschied, dass ich genau weiß, dass sich meine Kinder trotzdem dreckig machen dürfen.
Ich dachte nach, wie verwöhnt sie wirklich sind. Und was soll das eigentlich heißen: heutzutage? Wurde ich früher verwöhnt?
Ich kann die Frage mit einem Ja beantworten. Und dennoch habe ich in Erinnerung, dass es nie alles auf Knopfdruck gab und manchmal eben auch gar nicht. Schließlich sind Wünsche ebenso wichtig und die Erfahrung, dass man nicht alles haben kann, was man gerne möchte. Und ich merke, dass ich das auch auf meine Kinder übertrage. Sie sind verwöhnt. Aber längst nicht verhätschelt. Wir handhaben es ebenso, wie es unsere Eltern damals taten.

Die eigene Kindheit prägt und ich gebe das Erlernte gerne weiter 

Warum assoziiert man Verwöhnen gleich negativ, besonders wenn es um Kinder geht?
Ich erinnere mich noch sehr gerne daran, dass meine Mutter morgens immer gemeinsam mit mir aufgestanden ist, um vor der Schule mit mir gemeinsam zu frühstücken. Außerdem hatte ich immer eine fertig gepackte Brotdose. Nicht, weil ich nicht fähig gewesen wäre, dass auch selbst in die Hände zu nehmen, sondern viel mehr, weil die Brote doch viel besser schmeckten, wenn Mama sie zubereitet hat. Und mal ehrlich. Spätestens auf der weiterführenden Schule könnte man sich das locker alleine zubereiten und die Verantwortung übernehmen (sicherlich auch schon eher, wenn notwendig), aber es ist doch eben auch schön, einfach verwöhnt zu werden. Wenn ich da an meine damalige Freundin denke, dann weiß ich noch einmal mehr, dass all das nicht selbstverständlich war. Mit ihr stand nie Jemand auf und ihr Frühstück für die Schulpause musste sie sich auch selber machen.Sucht man auf der Duden Homepage nach dem Verb verwöhnen, dann erhält man folgende Bedeutungen:

” – jemanden durch zu große Fürsorge und Nachgiebigkeit in einer für ihn nachteiligen Weise daran gewöhnen, dass ihm jeder Wunsch erfüllt wird.

– durch besondere Aufmerksamkeit, Zuwendung dafür sorgen, dass sich jemand wohlfühlt

Die negative Assoziation beginnt ja bereits bei Babys.

“Nicht so viel tragen, nicht so viel stillen, nicht so viel dies, nicht so viel das. Sonst verwöhnst du das Baby nur und musst dich später nicht wundern, warum es nur auf deinen Arm will.”

“Lass das Baby doch mal schreien, es lernt doch sofort, dass einer kommt, wenn es immer nur schreit.”

Und wir alle wissen: Babys im ersten Lebensjahr können nicht verwöhnt werden, man kann auf die Art und Weise, wie man es selbst für richtig hält, dafür sorgen, ihr Urvertrauen zu stärken. Und auch danach können wir darüber streiten, ob man sie mit Zuneigung und Geborgenheit wirklich verwöhnen kann.

Manchmal müssen Wünsche warten – wenn sie materiell sind

Ein Punkt, der erst etwas später zu Trage kommt, ist wiederum das nicht Abschlagen können, wenn Wünsche bestehen. Ein Bummel durch die Stadt, ein Blick in ein Heft. Wie oft sagen Kinder, dass sie etwas unbedingt haben möchten. Und dann? Springt ihr sofort? Wir gehören nicht dazu. Bei Büchern sind wir etwas flotter, die gibts durchaus auch zwischendurch. Aber ansonsten bestehen hier Wünsche schon mal etwas länger. Das bezieht sich hier also eher auf das Materielle, eben mit der Ausnahme von Büchern.

Eine andere Situation kennen wir vermutlich auch alle. Ein Spaziergang und der Weg führt an einer Eisdiele vorbei. Der Standardsatz kommt schon, wenn die Eisdiele in Sichtweite ist:

“Oh Mama. Dürfen wir bitte ein Eis essen?”

Wenn es nicht zu kalt ist (im Winter hat unsere Eisdiele hier sowieso zu) und es nicht gerade morgens ist, dann kann ich sagen, dass wir deutlich häufiger ja sagen als nein. Aber auch hier wird ein nein gut akzeptiert und es gibt selten wirkliches Gequengel. Und da verwöhne ich mich auch gerne selber und genieße es bei passenden Temperaturen ein Eis zu essen und eine schöne gemeinsame Zeit zu verbringen. Auch mal an aufeinanderfolgenden Tagen.

Wir Erwachsenen sprechen auch gern mal davon, sich mal wieder verwöhnen zu lassen. Beim Friseur, bei einer Massage usw. Das kenne ich allerdings nur positiv behaftet und wird keineswegs negativ ausgelegt. Warum ist das so?
Erzählt mir doch mal eure Gedanken dazu.
Wie seht ihr das?
Alles Liebe,
Tanja

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5 comments

    Ein toller Post, den ich (noch nicht Mutter, aber Erzieherin) so unterschreiben kann! Meine Mutter ist auch immer mit uns Kindern aufgestanden und hat uns Brote für die Schule geschmiert – und dafür bin ich sehr dankbar! Lg

    Ein sehr interessantes Thema! Ich habe selbst noch keine Kinder und kann daher natürlich nur sehr bedingt mitreden, denke aber grundsätzlich, dass es doch etwas Schönes ist, seinen Kindern etwas Gutes zu tun und sie so zu "verwöhnen", so lange diese so erzogen sind, dass sie das auch zu schätzen wissen und dankbar sind. Das finde ich wichtig, aber dann ist doch wirklich alles in Ordnung. Meine Mama hat mir beispielsweise früher auch immer die Brotzeit für die Schule vorbereitet und ich mochte es sehr gern. Problematisch finde ich es nur, wenn Kinder immer höhere Ansprüche entwickeln und vor allem alles für selbstverständlich halten. Im Bekanntenkreis hörte ich mal ein Kind sagen, der Papa "müsse" ihm ja nun zum 18. Geburtstag ein Auto kaufen, das sei schon "zu erwarten", das ältere Geschwisterkind habe schließlich auch eins bekommen und alles andere sei sonst unfair. Das fand ich schon ziemlich heftig und da ist dann wohl ein bisschen was schief gelaufen. Sowas sind aber sicher Einzelfälle und ich denke mal nicht, dass deine Mädels so werden!

    Liebe Grüße
    Kathrin
    https://loveisallyouneed19.wordpress.com/

    Das gemeinsame Frühstück unter der Woche gab es bei uns auch und ich praktiziere es auch heute mit unserem Sohn – wir haben bedingt durch Arbeitszeiten und anderen Verpflichtungen, so wenig qualitative Zeit zusammen, dass ich ihm diese ruhige Zeit morgens unbedingt mitgeben möchte.

    Und zwischen verwöhnen im Sinne von "wir erfüllen alle Wünsche, immer und überall" und verwöhnen im Sinne von "Liebe geben" sind doch meilenweite Unterschiede!!!

    Und ja, mein Sohn möchte auch manchmal morgens ein Hemd zum KiGa anziehen. Soll er, wenn er sich damit wohl fühlt. Und wenn es schmutzig ist, wird es halt gewaschen.

    Aber eine ähnliche Situation hatte ich vor knapp zwei Jahren beim Einkauf. Mein Sohn aß zu dem Zeitpunkt keine Schokolade oder überhaupt irgendetwas, was auch nur Bestandteile von Schokolade hatte – weil er es nicht mochte.
    Wir standen vor dem Puddingregal und er moserte, dass er unbedingt und ganz dringend den Schokopudding haben möchte. Ich habe ihm das verwehrt, da ich weiß, dass er das eh nicht isst, weil er es nicht mag und habe ihm das auch so erklärt. Das bekommt ein älterer Herr mit und meint abfällig zu mir "Immer diese neumodischen Mütter, für die alles Süße ganz schlimm ist und die ihren Kindern nichts gönnen."
    Ich habe tief durchgeatmet, sonst wäre ich nicht nett geblieben, und habe ihm freundlich, aber bestimmt erklärt, dass er zum Einen gerade eine Grenze überschritten habe, es gehe ihn nämlich nichts an, was ich meinem Kind kaufe oder auch nicht – es geht hier schließlich nicht um Kindeswohlgefährdung. Und im Übrigen würde mein Sohn keine Schokolade mögen und der Pudding würde bei uns wahrscheinlich schlecht werden. Er möge doch bitte beim nächsten Mal vor einer solchen Äußerung ein wenig nachdenken und im Zweifelsfall seine Meinung für sich behalten.

    Der Mann wurde etwas rot und zog kommentarlos ab.

    Ich habe selbst keine Kinder und für mich liegt das als Studentin auch noch in weiter Ferne, aber, insofern ich das beurteilen kann, stimme ich dir total zu.

    Gerade bei solchen Dingen wie mal ein Eis essen oder Ähnliches. Ich bin selbst jemand, der denkt, dass man sein Leben genießen muss und sich nicht immer alles verbieten sollte, nur weil man jetzt mal 2 € außerhalb der Reihe ausgibt oder mal ein paar Kalorien extra isst. Und genauso ist das mit Kindern doch auch. Gerade den Kids kann mal mit so einer kleinen Sache wie einem Eis oder einem glitzernden Kleid schon eine riesige Freunde machen. Warum dann also nicht?
    Natürlich muss es Grenzen geben, aber grundsätzlich sollen doch auch die Kids glücklich sein. 🙂

    Und bei der Sache mit den Büchern musste ich auch schmunzeln, denn die gabs bei uns auch immer mal zwischendurch und auch heute gibts zu kleineren Gelegenheiten als ehestes mal ein Buch als Geschenk. Mich persönlich hat das total geprägt und deswegen find ichs klasse, dass ihr das auch so handhabt. 🙂

    Toller Post, ich stimme Dir absolut zu. Ich glaube einfach das viele da nicht die richtige Dosierung kennen. Es gibt verwöhnen in einem Maß wo es den Kindern gut tun aber viele schießen über das Ziel hinaus. Ich bekomme das regelmäßig mit und sehe wie es ist wenn Kinder keine Wünsche haben, Geschenke nicht schätzen- ich finde auch die Kreativität bleibt da sehr auf der Strecke. Ich bin froh das ähnlich zu praktizieren wie Ihr es macht. Danke

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