[Leben] Gedankenkarussell

Letzte Woche gab es neben vielen Dingen einen Augenblick, der mich sehr berührt hat.
Ich weiß nicht, wie es euch geht. Aber die Berichterstattung und die Bilder rund um die Flüchtlingskrise gehen nicht spurlos an mir vorbei. Auf der Arbeit gibt es nicht selten Kontakt mit Flüchtlingen und manchmal lernt man einen Teil ihrer Geschichte kennen und kann nur staunen, wie aufrecht sie vor einem stehen und wie lebensbejahend einer von vielen Schritten überstanden wurde.
Mit einem viereinhalb Jahren alten Mädchen ist es gerade alles andere als einfach zu Hause.
Sie testet sich enorm aus, rüttelt an meinem Nervenkostüm und weiß oft genug wahrscheinlich selber nicht wohin mit sich. Manchmal wächst mir das über den Kopf und ich werde dann sauer. Und dann werde ich sauer auf mich. Denn sie weiß es nicht besser. Aber ich sollte es besser wissen. Mir würde manchmal, wenn wir streiten, eine räumliche Trennung helfen. Nicht im Sinne von “du gehst in dein Kinderzimmer und kommst erst wieder raus, wenn Ruhe herrscht!!!”, sondern da wo man gerade in der Wohnung ist, raus aus dem Raum und durchatmen und wieder reingehen. Aber das verschlimmert die Lage für sie enorm. Wenn hier Streit herrscht, kann sie noch so zornig sein, sie braucht Nähe. 
Die Flüchtlingskinder, die ich kennengelernt habe, können jede Menge über räumliche Trennung erzählen. Ebenso wenig positiv behaftet und das nicht freiwillig. Wie so oft vergleiche ich hier Dinge, die man nicht miteinander vergleichen kann. Aber so sehr mich die Refugeesbewegung betroffen macht, so sehr kann ich in meinem Alltag manchmal nicht aus meiner Haut und bin auch nur ein Mensch. Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun. 
Der Zorn über ein falsch durchgeschnittenes Brot kann hier so groß sein, dass man es am Liebsten nicht essen möchte. Unsere Kinder kennen keine Armut und sind sicher bei uns geschützt. Sie können Essen auswählen und sich entscheiden. Diese Entscheidungen führen oft zur Konfrontation mit ihnen selber.  Denn manche Entscheidungen können nicht mehr getroffen werden, scheinen sie noch so einfach zu sein, wenn die Müdigkeit schon Überhand nimmt. Aber trifft man die Entscheidung für sie, ist es natürlich ebenso falsch.

Als ich auf der Arbeit einem Kind ein Brot zubereitete, weil die Mutter ihr anderes Kind stillte, erntete ich ein Lächeln und Freude. Wir konnten nicht mit Hilfe von Worten kommunizieren. Es gab diese Sprachbarriere. Aber so manche Kommunikation muss nicht anhand von Worten erfolgen. Ein Lächeln, ein entsetzter Blick, verängstigte Augen oder Dankbarkeit. Und noch vieles mehr, kann man  im Gesicht eines Menschen ablesen.

Manchmal scheint es für mich, als prallen zwei Welten aufeinander. Dabei liegt alles so dicht beieinander.

Als ich letzte Woche zum ersten Mal dieses Bild ansah, schnürte sich meine Kehle zu. Mein Herz wurde schwer und ich weinte. Es gibt viele Fotos, die ich mir zeitweise nicht länger anschauen kann. Nicht weil ich es nicht möchte, aber weil ich mich dazu nicht im Stande sehe.

Dieser Vater beschützt sein Kind mit allem was ihm möglich ist. Und auch wenn wir uns in einer anderen Situation befinden und keineswegs in einer so schrecklichen Lage sind, bleibt das gleich. Wir Eltern beschützen unsere Kinder und sind für sie da. Ob wir streiten, lachen oder weinen. Es ist unerheblich was einen sauer sein ließ. Wir werden zu Löwen, wenn wir unsere Kinder in Gefahr sehen.

Wir sollten nachsichtiger sein. Mit uns, mit unseren Kindern und mit unseren Mitmenschen.
Jeder hat seinen Platz und seine Ansicht verdient. Integriert mit Kinderaugen und lebt es vor.

Alles Liebe,
Tanja

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3 comments

    Dieser Post hat mich gerade sehr bewegt und macht mir mal wieder bewusst, wie gut es uns geht und dass wir wirklich einfach toleranter sein sollten. Ich muss mich an der eigenen Nase nehmen, wie oft nerve ich mich über Kleinigkeiten und beharre auf meiner Meinung/Einstellung, obwohl es mit etwas mehr Nachsicht viel einfacher wäre. Oftmals machen wir uns das Leben selber schwer… Vielen Dank für deine Worte! <3

    Hallo Tanja. Mein erster ellenlanger Text wurde gelöscht, also nun noch mal in kurz. Schön, dass du divh für dieses Thema engagierst. In der Zeit gibt es gerade einen Artikel, der sich mit den Vorurteilen und intehrationsvorgängen der Russlanddeutschen in den 90ern. Denen wurde genau das vorgeworfen, wie den Menschen die jetzt hier Asyl suchen. Der Text erwähnt direkt zu Beginn, dass diese nicht mehr und nicht weniger Arbeitslos sind als der Durchschnitt der Deutschen. Leider lesen diese Artikel zum Großteil nur der Teil der Bevölkerung der dem Thema aufgeklärt gegenüber steht und nicht die, denen es nicht schaden würde über den Tellerrand der AFD zu schauen. ….

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