[Leben] Erziehungsfragen und wie wir versuchen Konflikte zu lösen.

Ich wurde nun schon mehrfach gebeten, doch einmal etwas darüber zu schreiben, wie es bei uns zu Hause so abläuft, was das Thema Erziehung betrifft. 
Also möchte ich euch heute einmal einen Einblick gewähren und euch ein paar erprobte Tipps mitgeben. Sie funktionieren natürlich nicht immer, aber versuchen kann man es ja mal, nicht wahr?
Bei uns zu Hause und außerhalb gibt es bestimmte “Gebote”, nicht zu viele, auf die wir Wert legen. 
Diese Regeln sollen eine Leitlinie ergeben, die die Kinder durch den Tag führt, ohne sie jedoch wortwörtlich anzuleinen. Die Kinder können sich darauf verlassen, dass wir in Situationen, in denen diese Regeln greifen, immer gleich reagieren. Eine Regel habe ich nun ausgesucht um ein Beispiel nennen zu können.
  • beim Überqueren einer Straße halten wir uns an der Hand
Das Hand in Hand über die Straße gehen hat selbstverständlich nicht immer und schon gar nicht von Anfang an problemlos funktioniert. Ganz im Gegenteil. Aber Konsequenz und nachhaltiges loben haben dazu beigetragen, dass mir die Große nun ohne mit der Wimper zu zucken ganz von sich aus sofort ihre Hand anbietet, wenn wir eine Straße überqueren möchten. Und auch jetzt sage ich noch, wenn auch nicht jedes Mal, dass ich das toll von ihr finde und sie positiv darin bestärke. Denn wir als wissen: positive Zuwendung verstärkt positives Verhalten. 
Die Große ist aktuell schnell bockig. Oder sie scheint für mich aus dem Nichts heraus furchtbar sauer zu werden und schreit herum, ärgert ihre kleine Schwester und ich kann aber keinen erkennbaren Grund sehen. Aus dem Nichts heraus. In einem schlauen Büchlein habe ich einmal von den vier W-Fragen gelesen. Diese sollen helfen, Konflikte zu lösen und sie zu überblicken.
Spielen wir das Ganze doch mal bezogen auf die aktuell beschriebene Situation durch, damit ihr ein Beispiel habt.
Wann tritt das Verhalten auf?
Hier war es immer am frühen Abend eines Kindergartentages in den letzten drei bis vier Wochen.
Wo tritt das Verhalten auf? 
Zu Hause, gegenüber ihrer kleinen Schwester. 
Wie oft tritt das Verhalten auf? 
an 2 bis 3 Wochentagen.
Warum tritt das Verhalten auf? 
Genau das haben wir uns eben gefragt. Da wir sie so nicht kannten und sie sich auch nicht getraut hat etwas zu sagen. Schlussendlich sprach ich mit der Erzieherin aus dem Kindergarten darüber und sie erzählte mir, von Differenzen zwischen zwei Kindern und meiner Tochter. Das Verhalten zu Hause war nach den beschriebenen Situationen der Erzieherin 1:1 übertragbar. Was im Kindergarten mit ihr passierte, “spielte” sie an ihrer Schwester nach. Sie suchte sich somit auch eine Kleinere dafür aus, wie es die Anderen Kinder auch mit ihr taten. 
Sie ließ sich von den anderen Kindern einschüchtern und sich einreden, dass sie uns das nicht erzählen dürfe. Als wir endlich wussten, was los ist, fragte ich sie wieder, dieses Mal gezielter, ob sie jemand im Kindergarten ärgern dürfte und ich erinnerte sie auch daran, dass wir verabredet haben, dass egal was ist, wir immer miteinander reden können. Dann erzählte sie mir endlich selber was los ist und es deckte sich exakt damit, was mir die Erzieherin berichtete.  Und auch hier bestärkte ich sie positiv darin, dass ich es ganz toll finde, dass sie mir das nun erzählt hat und das genau richtig so war.  Schließlich konnten wir die Probleme lösen und hier gab es nicht mehr, pünktlich um eine bestimmte Zeit herum einen Ausflipper. 
Gerade bei immer wiederkehrenden Konflikten finde ich diese W-Fragen ganz spannend. Natürlich setzt man sich nicht in einer Akutsituation hin und sagt zum Kind: Warte mal, Mama muss sich mal kurz Notizen machen. Aber ich finde es ganz hilfreich, das einfach im Hinterkopf zu haben. Denn gerade wiederkehrende Muster kommen nicht von ungefähr, so ist es meine Erfahrung bisher. 
Konfliktpotenzial bieten Stresssituationen. Ganz besonders Zeitdruck ist ein ganz großer Stressauslöser. Ihr kennt das: Nur mal eben schnell noch etwas mit den Kids erledigen, das passt doch noch locker in die Tagesplanung. Also heißt es flott anziehen. Wie? Wo ist denn nur der zweite Schuh? Natürlich schafft es das Kind die Jacke alleine anzuziehen, möchte es aber gerade nicht. Kinder merken genau, wenn man es eilig hat und es ist doch ein prima Spiel das auszureizen, wenn sie es denn überhaupt schon verstehen. Ich habe mittlerweile gelernt, dass ich entweder auf die schnelle Aktion verzichte oder aber eine spätere evtl. Verabredung kurz kontaktiere und mir versuche 20 Min. mehr einzuräumen. Natürlich ist das kein Regelfall. Aber manchmal geht es eben nicht anders, wenn urplötzlich noch Milch oder Brot eingekauft werden müssen und es vorher einfach nicht auffiel. Also habe ich mir mehr Zeit verschafft, kann die Sache entspannter angehen und kann auch in Ruhe den zweiten Schuh suchen, ohne noch mehr Stress zu versprühen. 
Bei unseren Kindern, besonders bei der Großen gehören ebenso Hunger und Müdigkeit hinzu.
Ich habe immer einen Snack dabei und plane die Woche nie zu voll nach dem Kindergarten. Gerade jetzt im Winter, wo die meisten Verabredungen nun mal drin stattfinden, merke ich, dass Knatsch vorprogrammiert ist, wenn man Montag nach dem Kindergarten zu Termin A geht, Dienstag zu Termin B hetzt, Mittwoch zu Termin C düst. Ihr versteht sicherlich was ich meine. Maximal zwei Verabredungen, Verpflichtungen nach dem Kindergarten. Mehr gibt es aktuell nicht geplant. Alles andere rüttelt hier sonst zu stark an der Laune. Spontan kann man natürlich immer noch sehen was sich ergibt. Und natürlich gehen wir auch einfach nach einer Verschnaufpause auch noch mal gemeinsam an die frische Luft, spazieren oder auf den Spielplatz. Aber das entscheiden wir eben einfach nach Lust und Laune. Treiben lassen ist die Devise. 
Versprechen einhalten ist ein Stichpunkt, den ich auch sehr wichtig finde. 
Zum Beispiel ist das ins Bett gehen hier kein großes Thema. Aber das bettfertig machen neuerdings schon. Lesen wir zum Beispiel gerade ein Buch und es ist zu Ende, die Uhrzeit passt, dann sagen wir ganz gern als Antwort auf die Frage, ob wir wohl noch ein Buch vorlesen können: Ja das können wir gerne machen. Aber vorher ziehen wir einen Schlafanzug an und gehen Zähne putzen. 
Nachdem die Große verstanden hat, dass wir das Versprechen halten und es wirklich danach noch ein weiteres Buch gibt, klappt das auch etwas reibungsloser. Sie weiß, dass sie sich darauf verlassen kann. Das kann man natürlich auf jede Situation übertragen. Versprecht nichts, was ihr nicht einhalten könnt, nur um es euch bequem zu machen. Ihr möchtet schließlich auch nicht enttäuscht werden, sollte das Jemand Anderes mit euch so machen. 

Hat mein Kind gute Laune und ich hole es gestresst, genervt vom Kindergarten ab, hat es unter Garantie eine halbe Stunde später meine Laune angenommen. Schließlich beeinflusst man sich gegenseitig. Wir sollten mit unseren Kindern genauso sprechen, wie wir es auch von ihnen erwarten. Auf Augenhöhe, aber verbindlich. Wir bieten keine Sicherheit, wenn wir uns freundschaftlich verhalten und alles erlauben. Eltern sein bedeutet schließlich auch eine Funktion zu haben, Verantwortung zu tragen und auch mal der Buhmann zu sein. 
Wir hatten irgendwann die Situation, dass ich die Große eher aus dem Kindergarten abgeholt habe, überraschend für sie. Ich hatte den Plan gefasst, etwas Schönes mit ihr zu unternehmen. Meine Erwartungshaltung, dass sie sich freut, war faktisch da. Ihre Reaktion war nicht so, wie ich es mir erhofft hatte, da sie so nicht noch den Snack im Kindergarten mitmachen konnte, wo mir bis dahin nicht so klar war, dass er so wichtig für sie ist. Schließlich gibt es auch nachmittags zu Hause immer Obst. Also war ich enttäuscht und den ganzen Tag grummelig. Vollkommener Quatsch und Irrsinn. Aber so war es eben und ich war nachtragend. Rückblickend betrachtet muss ich über mich den Kopf schütteln. Was habe ich denn eigentlich erwartet? Das sie Luftsprünge macht, wenn ich eher komme als sonst? Schließlich geht sie ja gerne in den Kindergarten. Aber hier sehen wir wieder: gegenseitig haben wir unsere Laune beeinflusst. Wenn auch unnötig, da ich vollkommen falsche Erwartungen hatte. 
Schimpft ihr euch manchmal ein? Man findet aus diesem Modus nicht mehr raus? 
Einmal schimpfen für eine Siuation ist vollkommen ausreichend. Alles andere verstärkt das negative/unerwünschte Verhalten bloss und spendet negative Aufmerksamkeit. Versucht doch einmal hinzugehen und alles zu loben, was einem positiv auffällt. Das mag nun seltsam klingen. Aber anhand dessen sieht man mal, wie wenig zu schimpfen man eigentlich hat, nur hebt man das selbst eben meistens viel mehr hervor. 
Natürlich sagt man manche Dinge diverse Male und schimpft. Aber wenn es dann zum Schluss doch vom Kind ernst genommen wird und umgesetzt wird, dann vergesst nicht, dies ebenso positiv zu erwähnen und seid nicht nachtragend. Schließlich wollt ihr doch die letzte Handlung unterstützen und nicht die vergebenen Chancen zuvor negativ bestärken.
Wer nun tatsächlich meinen ganzen Artikel durchgelesen hat, dem möchte ich noch Folgendes mit auf den Weg geben: Es gibt kein Patentrezept und auch bei uns funktioniert nicht alles immer nach Schema F. Wir sind alle nur Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Gefühlen. Aber unsere wichtigsten Anhaltspunkte helfen schlussendlich immer, dass wir alle an einem Strang ziehen können und so versuchen können, den Kindern Sicherheit und Verlässlichkeit zu bieten. 
Bei allen Regeln, Kritiken, Schimpfen und was es sonst noch alles gibt: 
Vergesst nie eurem Kind und auch euch zu sagen, dass das allerwichtigste die bedingungslose Liebe ihm gegenüber ist. Gebt auch mal nach, seid nicht zu stur.

Gibt es Tipps für den Alltag, die ihr gerne weitergeben möchtet? Was hat sich bei euch bewährt?

Alles Liebe,
Tanja

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One comment

    Du bist echt der Hammer!begleite dich schon vor der ersten ssw und unsere beiden Töchter sind exakt im gleichen alter wie deine 2. Ich konnte nur den Artikel lesen und nicken! Bei uns ist alles genauso.die Tage sind deshalb auch extrem anstrengend, weil man sich mit Kindern ständig den Spiegel vorhält. Kinder mit 2 Jahren Abstand sind eine echte Aufgabe! Ich Drücke dich!

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