[Leben] Ansichtssache – Mit Kinderaugen Schule entdecken

Mir tickt die Uhr manchmal zu schnell und das Kind kann sie nicht schnell genug lernen. Das beschreibt meine aktielle Gefühlslage recht gut. 
Wer sich schon einmal mit dem Thema Schule befasst hat, dem wird das Wort Stichtag nicht fremd sein. Das ist der Tag, der darüber entscheidet, wann euer Kind in die Schule kommt. Natürlich gibt es da noch Möglichkeiten, doch noch ein Jahr rauszuholen, wenn dies denn sinnvoll ist, allerdings nicht mit wenig Aufwand (den man wenn es denn notwendig ist, bestimmt lieber in Kauf nimmt, als ein ungutes Gefühl beim Schuleintritt). 
Das Thema Schule ist präsenter denn je. Von heute auf morgen wurde es hier zu Hause thematisiert. Kinder, die unsere Tochter sehr mag, kamen im letzten Jahr in die Schule. Und nun sieht sie sie wieder, wenn sie in den Kindergarten kommen, um die kleinen Geschwister abzuholen. Dann lässt sie sie sich erzählen, was sie alles lernen. Woher ich das so genau weiß? Na ratet mal, was mir dann als erstes auf dem Weg nach Hause berichtet wird. 
Ab dem Sommer ist unsere Große ein Vorschulkind. Das ist so groß. Aber nicht wegen uns, sondern weil sie es zu etwas Großem macht. Sie kann es kaum erwarten, den Status Vorschulkind zu bekommen. Nach dem Kindergarten kann sie mir immer genau erzählen, was die “großen Kinder” Tolles gemacht haben und es gibt gerade nichts was sie lieber täte, als selbst zu dieser Gruppe zu gehören.
Lesen. Sie möchte lesen können. Und schreiben. Ich denke immer, gerade wenn es um das Lesen geht (was sowieso bisher nur Wunschdenken ist), dass sie doch noch so viel Zeit hat, all das zu lernen. Aber ich bremse sie nicht in ihrem Streben und lösche die Flamme nicht, die in ihr brennt. 
“Wenn ich lesen kann, dann lese ich dir Bücher vor, ja Mama? Dann setzen wir uns gemütlich aufs Sofa, du bekommst einen Kaffee und ich lese dir Conni vor, ok?”
Wenn sie mit Wissen gefüttert wird, ist sie glücklich. Irgendwann bekamen wir ein “Lernheft” für das Kindergartenalter geschenkt. Da sitzen wir meistens zusammen und machen ein paar Aufgaben. Irgenwdann wiederholt sich jede Art von Aufgabe. Dann kann sie es meist alleine lösen. Sie ist dann wie ausgewechselt. Hochkonzentriert, wie ein Schwamm. Zum Geburtstag bekam sie von den Großeltern eine “Lernbox” mit Bambi. Das macht sie am Liebsten. Wir holen diese Sachen allerdings immer nur hervor, wenn sie danach fragt. 

Ihr Umgang mit neuem Wissen und diesem Brennen nach mehr bestärkt uns darin, den Regeln des Stichtags zu folgen und sie regulär einschulen zu lassen. Der 6. Geburtstag wird kurz nach ihrer Einschulung gefeiert. Und auch, wenn all das noch eine ganze Zeit hin ist, müssen wir in diesem Jahr die Entscheidung treffen und Schulen angucken.
Wir sehen unsere Tochter, die erst 4,5 Jahre alt ist. Aber sie zeigt uns das 4,5 Jahre alte Mädchen, für das es gar nicht die Option gibt, dass es auch anders entschieden werden könnte. Sprächen Dinge dagegen, würden wir nicht Traumtänzerisch den Rauchzeichen unseres Kindes folgen. Aber so bestärken wir uns offensichtlich gegenseitig. Es ist eben eine Ansichtssache. Und ich bin mir sicher, dass dieser Weg gut wird. Aufregend und gut. 
Alles Liebe,
Tanja

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